Geldeintreiben im Netz : Euro für Euro

Crowdfunding wird hierzulande gerade populär. Dabei geben viele Investoren einen kleinen Betrag.

Franziska Felber

In den 93 entscheidenden Minuten für ihr junges Unternehmen saß Franziska Scheidel am Computer und drückte immer wieder auf Aktualisieren. Schließlich hatte sie 100 000 Euro zusammen – von insgesamt 177 Investoren.

Mit „Bloomy Days“, ihrem Start-up für Blumen-Abos, liefert die Berlinerin Schnittblumen bis vor die Haustür. Sie entschied sich Anfang des Jahres für eine neue Finanzierungsform: das Crowdfunding. Spezialisierte Internetseiten starten Sammelaktionen, die Start-ups mit 50 000 bis 100 000 Euro finanzieren. Jeder kann investieren, die Einzelbeträge sind oft nur wenige Hundert Euro.

Schon seit Jahren werden auf Plattformen wie Kickstarter.com vor allem künstlerische Projekte finanziert. Korrekt heißt die Schwarmfinanzierung von Start-ups Crowdinvesting, Crowdfunding wird oft synonym benutzt. In Deutschland gibt es seit 2011 Seiten wie Seedmatch, Innovestment und Mashup Finance, neue kommen stetig hinzu. Das Portal Für-Gründer.de zählt 21 Start-ups, die bisher so finanziert wurden, 14 davon bei Seedmatch. Die Plattformen bekommen meist fünf bis zehn Prozent der gesammelten Summe.

Die Investoren erhalten kein Mitspracherecht. Sie werden nach ein paar Jahren am Unternehmenswert beteiligt. Die Start-ups haben dadurch mehrere Vorteile: Zum einen haben kreative Ideen bei der Internetgemeinde oft bessere Chancen als bei Banken. Zudem müssen die Investoren nur ausbezahlt werden, wenn Gewinn erwirtschaftet wird; und schließlich wirken die Investoren als Multiplikatoren – indem sie Freunden davon erzählen. „Hätte ich einen Bankkredit abgeschlossen, hätte keiner etwas davon mitbekommen“, sagt Franziska Scheidel.

Beim Crowdinvesting sind die Investoren bislang meist deutsche Privatleute. Im Mai knackte Seedmatch die Millionenmarke an insgesamt eingesetzten Beträgen – in den USA dagegen werden schon einzelne Start-ups mit Millionenbeträgen schwarmfinanziert. Schuld am deutschen Rückstand ist das Verkaufsprospektgesetz. Werden mehr als 100 000 Euro über öffentliches Funding gesammelt, muss ein aufwändiger Prospekt erstellt werden, der das Unternehmen mit allen Risiken vorstellt. Daher liegt in Deutschland die Obergrenze der Schwarmfinanzierung für Start-ups bei 100 000 Euro.

Bis jetzt. StudiVZ-Gründer Dennis Bemmann möchte von Herbst an mit seinem Portal Bergfürst Firmen in einer späteren Phase schwarmfinanzieren, mit Verkaufsprospekt und Millionensummen. Auch Seedmatch arbeitet an Sammelaktionen, die die 100 000-Euro-Marke sprengen und von September an möglich sein sollen.

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