Zeitung Heute : GELUNGENES WM-DEBÜT FÜR BERND HEYNEMANN: Hauptproblem war die Hitze

MONTPELLIER .Sieger und Besiegte überschütteten ihn mit Lob.Er selbst beurteilte seine tadellose und souveräne Leistung aber eher zurückhaltend."Wichtig ist, was die Beobachtung durch den FIFA-Vertreter bringt", wehrte Bernd Heynemann die Frage nach seinen Gefühlen nach seinem rundum gelungenen WM-Debüt ab.14 Stunden nach seinem letzten Pfiff in der Hitzeschlacht von Montpellier zwischen Kolumbien und Tunesien (1:0) und einem ausgiebigen Frühstück im Hotel machte der einzige deutsche WM-Schiedsrichter kein großes Tamtam um seine "Pfeiferei".

Auch bezüglich seiner Chancen auf einen zweiten Frankreich-Auftritt blockte der 44 Jahre alte Magdeburger ab."Jedes Spiel ist neu, anders und schwerer.Ich möchte mich nicht auf meinen Lorbeeren ausruhen", sagte er ausweichend.Heynemanns Zurückhaltung beruht neben einer gewissen Bescheidenheit auch auf dem "Maulkorberlaß" der FIFA-Verantwortlichen für die Unparteiischen während der "Mondial 98".Nach dem Schlußpfiff werden die Schiedsrichter vor den Medien hermetisch abgeschirmt.

Kein Blatt vor den Mund nahmen dagegen die Spieler.Statt der gängigen "Schieri"-Schelte lobten sie Heynemann über den grünen Klee."Der Referee leitete sehr gut", urteilte der frühere Bayern-Stürmers Adolfo Valencia.Mehdi Ben Slimane vom SC Freiburg ergänzte: "Ich kenne ihn ja aus Deutschland.Er hat ausgezeichnet gepfiffen." Selbst der mit Gelb bestrafte Jose Santa sagte anerkennend: "Der Referee war hervorragend."

Heynemann gab das Lob zurück."Es war eine sehr faire Partie.Beide Mannschaften haben es mir nicht schwergemacht." Kritik übte der 44 Jahre alte Marketingleiter einer Krankenkasse nur an sich selbst."Es gab eine Szene, in der der Piepser nicht funktionierte.Beim nicht anerkannten 2:0 habe ich das Abseits nicht sofort erkannt und deshalb etwas später gepfiffen.Da hat die Technik versagt", erläuterte der erfahrene Unparteiische seine um Sekunden verspätete Entscheidung.Aber selbst in dieser Szene hagelte es keine Proteste der Kolumbianer.

So war sein Hauptproblem die Hitze."Das war sehr anstrengend.Ich kam ja praktisch aus der Kälte." Dorthin zurück, nach Paris, flog Heynemann am Nachmittag mit seinen beiden Assistenten.In der Schiedsrichter-Herberge in Grassy wartet er auf einen zweiten Einsatz.Nach 98 DDR-Oberligaspielen, 99 Bundesliga-Einsätzen, 33 Europapokal-Partien, einem EM-Spiel und dem WM-Debüt wäre dies praktisch das I-Tüpfelchen seiner Karriere.Mit 45, also 1999, muß er nämlich aufhören - "altersbedingt".

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