Zeitung Heute : Gemeinsame Sache mit dem Wettbewerber

Regina-C. Henkel

Kleine und mittelständische Unternehmen profitieren von ökonomischen und Know-how-VorteilenRegina-C. Henkel

Große Konzerne fusionieren, um der Globalisierung gerecht zu werden oder sich sogar auf die Liste der Global Player zu hieven, kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) haben andere Wege zur Anpassung an die veränderten Marktstrukturen gefunden. Ihre Zauberworte heißen Kooperation und Allianz. Das bedeutet: Immer mehr konkurrierende Unternehmen bekennen sich zur gemeinsamen Sache mit Wettbewerbern und kooperieren in der Produktion, aber auch im Marketing und Vertrieb. Das zahlt sich nicht nur ökonomisch aus. Als zusätzlichen Mehrwert verzeichnen die Unternehmen auch noch eine effiziente Lernatmosphäre. In einer Zeit, in der "Wissensmanagement" und "lernende Organisation" zu den Erfolgsvokabeln der Betriebswirtschaft gehören, ist das mehr als eine Marginalie.

Das vermeintlich paradoxe Phänomen der Kooperation zwischen Wettbewerbern, für das vielfach der US-amerikanische Begriff "Coopetition" verwendet wird, gehört inzwischen in fast allen Bereichen der Wirtschaft zur Tagesordnung. Die Münchner Unternehmensberatung Maisberger & Partner hat im Auftrag der Stuttgarter DEKRA Akademie eine Studie erstellt, für die rund 200 Betriebe unterschiedlicher Größenordnung und Branchen befragt wurden.

Für eine der größten Überraschungen sorgte, dass "Coopetition" viel verbreiteter als angenommen ist. Sechs von zehn der befragten Unternehmen verbandeln sich mit ihren Wettbewerbern. Am ehesten bereit sind dazu Betriebe mit weniger als zehn Mitarbeitern (81 Prozent). Zwei Drittel der Firmen belassen es bei einem Partner, nur jeder hundertste Betrieb macht gemeinsame Sache mit über zehn Wettbewerbern.

Ebenfalls als "überraschend" bezeichnet Peter Littig, Leiter Produktmanagement bei der DEKRA Akademie, dass selbst kundenorientierte Geschäftsbereiche beliebte Kooperationsfelder sind. Hartmut Panten von Maisberger & Partner pflichtet ihm bei: "Obwohl Wirtschaftsexperten das Ende der Wertschöpfungskette in der Regel nicht als idealen Nährboden für ertragreiche Coopetition-Gewächse ansehen", sagt der Unternehmensberater, "stehen kundenorientierte Geschäftsbereiche wie Marketing und Verkauf auf Platz zwei und drei der häufigsten Kooperationsfelder." Forschung und Entwicklung nimmt Rang eins ein - vor allem bei kleineren Betrieben. Für Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern bleibt das klassische Kooperationsfeld die Produktion.

Doch wofür das Ganze? Lohnt sich das Anbandeln mit der Konkurrenz? Für die Teilnehmer der Maisberger & Partner-Studie heißt die Antwort eindeutig ja. Kleine Anbieter haben oft gar keine andere Chance, als ihre Ressourcen gemeinsam mit einem anderen Betrieb zu bündeln und auf Synergieeffekte zu setzen, um neue Kunden zu gewinnen. Diese drei Ziele haben die Kooperateure vor allem im Sinn (siehe Grafik). Das Ergebnis ihres Vertrauens: Sie erreichen weit mehr, als sie sich erhofft hatten. Mehr Umsatz, einen verbesserten Zugang zu neuen Kunden und eine optimierte Markterschließung sind nur drei der messbaren, vorteilbringenden Ergebnisse.

Nur auf den zweiten Blick wahrzunehmen, für die kooperierenden Unternehmen aber von "unschätzbarem Wert", ist nach Überzeugung von DEKRA-Produktmanager Littig die Mehrwert-Steigerung beim "Lernen". Der Akademie-Fachmann über die verbesserte Lernatmosphäre: "Es geht darum, Impulse für Veränderungen zu erkennen, sie zu analysieren und in konkrete Handlungen, wie zum Beispiel Verbesserungsvorschläge überzuleiten." Für ihn steht fest: "Ein Coopetition-Vorhaben ist ein fundamentaler Baustein für das lernende Unternehmen." REGINA-C.

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