Zeitung Heute : Genug Holz vor der Tür

Natürliche Brennstoffe liegen im Trend. Wer günstig kaufen will, hat im Umland von Berlin gute Chancen

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Gescheit angepackt. Wer im Akkord Bäume zu zerlegen versteht – wie dieser Holzfäller – vermag in seinem Ofen sehr viel Dampf abzulassen. Das Holz muss allerdings erst einmal trocknen. Foto: Imago
Gescheit angepackt. Wer im Akkord Bäume zu zerlegen versteht – wie dieser Holzfäller – vermag in seinem Ofen sehr viel Dampf...Foto: IMAGO

Hans Fleisch ist gut vorbereitet: auf den kommenden Winter – und den im kommenden Jahr. Und im Jahr darauf. Denn für sein Brennholz sorgt er selbst. Vor drei Jahren hat sich Hans Fleisch, der Generalsekretär beim Bundesverband deutscher Stiftungen ist, in Brandenburg ein Grundstück gekauft, mit Wald und Wiese. „Dort mache ich mein Holz“, erklärt er.

Wer sich für den Eigenbedarf Holz aus dem Wald besorgt, kann viel Geld sparen. Er – oder sie – muss aber auch langfristig planen. Denn bevor das Holz in den Ofen kommt, muss es noch zwei Jahre trocknen. „Ich brauche im Jahr acht Festmeter“, sagt Hans Fleisch, der im Harz aufgewachsen ist und schon als Schüler im Wald gearbeitet hat – und auch im Umgang mit der Motorsäge geübt ist. „Durch mein Grundstück kann ich eine nachhaltige Form der Energieversorgung praktizieren.“ Er und seine Familie möchten ihr Leben Stück für Stück so umorganisieren, dass die Familie in Sachen Energieversorgung „einigermaßen autark“ ist. Holz als Brennstoff ist in den vergangenen Jahren immer populärer geworden: Einer Analyse des Zentrums für Sonnenenergie und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) zufolge haben Holzheizungen, Wärmepumpen und solarthermische Anlagen den bundesdeutschen Geldbörsen im Jahr 2009 insgesamt 2,56 Milliarden Euro an Heizkosten eingespart.

An der Tätigkeit auf seinem eigenen Grundstück gefällt Hans Fleisch auch die körperliche Arbeit. Das Holzmachen, also das Sägen, Zerkleinern, Spalten und der Transport in die Wohnung bescherten ihm „verschiedene gute Gefühle“.

Gefühle, die auch Menschen entwickeln können, die kein Grundstück besitzen. In den Berliner Forsten kann man günstig Holz kaufen – das allerdings auch erst zwei Jahre luftig gelagert werden muss. Aus Gründen des Immissionsschutzes darf das Holz lediglich eine maximale Restfeuchte von 20 Prozent haben. Denn obwohl Holz eine ökologische Energiequelle ist, entstehen bei seiner Verbrennung Schadstoffe und Feinstaub.

„Das Holz kann man voraussichtlich im Februar oder März abholen“, sagt Marc Franusch, der Sprecher der Berliner Forsten. Allerdings müsse das Holz selbst abgeholt und noch geschnitten und gespalten werden: „Das Holz wird in meterlangen Enden am Waldweg aufgeschichtet.“ Vormerken lassen kann man sich bereits jetzt bei den Revierförstereien der Berliner Forsten. Kontaktadressen dazu sind online unter www.stadtentwicklung.berlin.de/forsten/dienststellen/ zu finden. Gut erreichbar sind die Revierförster dienstags von 14 bis 18 Uhr. Wer das Holz abholt, bezahlt in den Berliner Forsten je nach Holz zwischen 35 und 50 Euro für den Raummeter. Günstiger wird es für jene, die keine Angst vor der Motorsäge haben, die sogenannten „Selbstwerber“. Je nach Qualität können diese den Festmeter Holz schon ab zehn bis 15 Euro mit nach Hause nehmen. Fällen dürfen Selbstwerber die Bäume allerdings nicht. „Das bleibt Sache der Profis“, sagt Marc Franusch. Auch in den Brandenburger Forsten wird Holz verkauft. Der Preis für einen Festmeter, der selbst zusammengestellt wird, liegt derzeit bei knapp 18 Euro.

Wer sein Brennholz selbst aus den bereits liegenden Bäume in den Berliner Wäldern heraussägen will, sollte sich eine Motorsäge anschaffen. Und muss, bevor er aktiv werden darf, einen Kurs machen. Veranstaltet werden die Schulungen von den Berliner Forsten in Zusammenarbeit mit der Gemeinnützigen Service Gesellschaft zur Förderung des Landschafts-, Natur- und Umweltschutzes (GSG). In diesen eintägigen Veranstaltungen lernen die Teilnehmer, welche Gefahren auftreten können und wie die Säge gewartet wird. Außerdem werden Schnittübungen gemacht. Die Lehrgänge dauern sieben Stunden und kosten 70 Euro. Das Mindestalter beträgt 18 Jahre. Interessenten können unter dieser Mailadresse Kontakt mit dem Kursleiter aufnehmen: office.berlin@gsg-netzwerk.de.

Holzreste können auch immer wieder in Tischlereien und Dachdeckerbetrieben anfallen. Allerdings sind diese Überbleibsel oft bereits verplant: Häufig werden sie unter den Kollegen aufgeteilt und für den Eigenbedarf mit nach Hause genommen. „Manchmal verkaufe ich das Holz weiter – vor allem an Kunden, die mich regelmäßig als Tischler beauftragen“, erklärt ein Steglitzer Handwerker, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte. Der Holzverkauf sei für ihn mehr ein Entgegenkommen dem Kunden gegenüber als ein Geschäft.

„Grundsätzlich ist es sinnvoll, beim Tischler um die Ecke nachzufragen“, sagt Ralf Spiekers vom Bundesinnungsverband der Tischler und Schreiner Deutschland, „um dort dann ein paar Stücke Massivholz zu kaufen“. Häufig würden die Reste aber auch in den Tischlereien, also am Ort des Geschehens selbst verbrannt. „Für den Tischler ist das Holz in erster Linie ein Wertstoff.“ Für den privaten Gebrauch nicht geeignet sind übrigens Hölzer aus Rückbauten, zum Beispiel alte Türen. „Diese sind häufig in der Beschichtung auch mit Schwermetallen versehen“, erklärt Spiekers.

Zudem könne längst nicht jeder Holzwerkstoff, der im Ofen einer Tischlerei lande, auch im privaten Kachelofen zu Hause verfeuert werden. Er gebe auch zu bedenken, dass es ökologischer sei, den Ofen zwei Stunden täglich zu heizen. Und nicht den ganzen Abend. Das ist zwar weniger romantisch, schont dafür aber die Umwelt. Tipps zum richtigen weil schadstoffarmen Heizen, zum Anheizvorgang und der richtigen Brennstoffmenge fasst auch ein neuer Ratgeber des Umweltbundesamtes (UBA) in Dessau zusammen.

Abrufbar ist er unter www.umweltbundesamt.de/uba-info-medien/dateien/3151. htm.

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