Zeitung Heute : Geräumig, flott und sehr fahrsicher

Ingo von Dahlern

Erst kam der Focus mit seinem mutigen Design dann der neue Mondeo, der durch seine Fahreigenschaften ebenso überzeugt wie seine Linie und seine hohe Qualität - und nun folgt die neue Generation des Fiesta. Focus und Mondeo sind bereits Erfolgsmodelle und auch der neue Fiesta hat das Zeug dazu. Schon der erste öffentliche Auftritt des neuen Fiesta im Herbst vergangenen Jahres bei der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt am Main weckte große Hoffnungen. Und die wurden bei den ersten Probekilometern in diesen Tagen vollauf bestätigt. Es geht ganz offensichtlich wieder aufwärts bei Ford . Und der Fiesta, der seit mehr als einem Vierteljahrhundert zu den erfolgreichsten Ford-Modellen gehört, wird mit seiner neuesten Generation erheblich dazu beitragen.

Allerdings hat er sich im Lauf der Jahrzehnte bereits erheblich gewandelt, ist von Generation zu Generation erwachsener geworden und hat mit der neuesten Generation nun ganz klar das Kleinwagensegment verlassen. Damit ist er vom früheren Stadtflitzer, der einmal mit einer Länge von nur 3,56 Meter startete, zu einem kompakten Familienauto geworden, das, länger, breiter und vor allem auch höher als der Vorgänger, viel Platz verspricht - und dieses Versprechen auch überzeugend erfüllt. Das gilt insbesondere für den Platz im Fond, wo man neben größerer Beinfreiheit auch mehr Kopffreiheit genießen kann. Nicht optimal gelöst ist allerdings die Platzverteilung im Fußraum für den Fahrzeuglenker. Denn der Raum zwischen Kupplungspedal und Fahrzeugwand ist arg schmal - und leider fehlt auch eine vernünftige Fußstütze.

Fast durchweg größer als der Polo

Das bis auf diesen kleinen Mangel so großzügige Platzangeot überrascht nicht, wenn man das Zentimetermaß an den neuen Fiesta anlegt. Denn mit knapp 3,92 Meter hat der in der Länge acht Zentimeter zugelegt, mit 1,68 Meter misst er fünf Zentimeter mehr in der Breite und mit knapp 1,43 Meter auch fünf Zentimeter mehr in der Höhe. Bei einem Radstand von nun 2,49 Meter sind die nun 14 Zoll messenden Räder noch weiter an die äußersten Ecken der Karosserie gewandert. Und stellt man den neuen Fiesta neben den neuen Polo, dann ist er, ausgenommen die Höhe, jeweils zwei bis drei Zentimeter größer als sein sehr rundlicher Wolfsburger Konkurrent mit den runden Doppelscheinwerfern.

Schon auf den ersten Blick zeigt der neue Fiesta dem Betrachter, aus welchem Stall er kommt. Denn der für die moderne Ford-Linie so typische flache elliptische Grill und das ebenso charakteristische New-Edge-Design lassen keine Verwechslung zu. Auch wenn der neue Fiesta nicht so markant und kantig daherkommt wie der Focus, tritt er sehr kraftvoll und erwachsen auf. Das liegt nicht allein an den rundum um ein paar Zentimeter gewachsenen Dimensionen, sondern vor allem auch den damit veränderten Proportionen.

Ford setzt bei der Optik auf betont große trapezförmige Scheinwerfer mit Klarglastechnik, die vorn ebenso alle Leuchtenfunktionen zusammenfassen wie hinten die beiderseits der Heckscheibe hoch in der C-Säule positionierten Heckleuchten. Große Fensterflächen mit einem dritten seitlichen Fenster lassen den Innenraum des vorerst nur als Fünftürer antretenden neuen Fiesta besonders hell erscheinen und ermöglichen in Verbindung mit einer um 45 Millimeter erhöhten Sitzposition eine besonders gute Rundumsicht. Der Fahrersitz - er hat leider ebenso wie der Beifahrersitz eine etwas kurz geratene Sitzfläche - und das zur Serienausstattung gehörende Lederlenkrad sind höhenverstellbar. Und bei Werkstoffwahl und Verarbeitung des Interieurs und den Oberflächen setzt Ford beim Fiesta sichtbar auf Qualität und klare Linien sowie im Armaturenbrett auf Symmetrie ohne New-Edge-Elemente. Mit 284 Liter für einen Kompakten sehr groß ausgefallen ist der variable Laderaum. So lassen sich zum Beispiel auch ganz normale Faltkinderwagen problemlos im Fiesta Gepäckraum unterbringen. Geöffnet werden kann der entweder per Fernentriegelung oder mit dem Schlüssel von außen - was immer noch fehlt, ist ein Griff zum Öffnen von außen ohne Schlüssel.

Mit fünf Motoren - vier Benzinern und einem direkt einspritzenden Common-Rail-Diesel - geht der Fronttriebler an den Start. Die Einstiegsmotorisierung ist der bewährte 1,3-Liter-Vierzylinder, der in zwei Leistungsstufen mit 43 und 50 kW (58 und 68 PS) angeboten wird, durchschnittlich 5,8 l/100 km verbraucht und wie alle Benziner die Abgasnorm EU4 erfüllt. Zu ersten Probefahrten war dieses Triebwerk allerdings nicht verfügbar. Kräftiger sind die beiden Vierventiler mit 1,4 und 1,6 Liter Hubraum, die 58 und 74 kW (80 und 100 PS) leisten und mit durchschnittlich 6,1 und 6,6 l/100 km ebenfalls recht sparsam sind. Mit dem 1,6-Liter-Benziner ist der neue Fiesta mit 10,8 Sekunden für den Spurt auf Tempo 100 und maximal 185 km/h sehr flott. Allerdings wird der 1,6-Liter bei höheren Drehzahlen etwas brummig.

Diesel mit Peugeot/Citroën entwickelt

Respektable Fahrleistungen erlaubt aber auch das fünfte Triebwerk - ein 1,4-Liter-Turbodiesel mit Common-Rail-Hochdruckeinspritzung und 50 kW (68 PS), der mit 14,8 Sekunden für den Spurt auf Tempo 100 und maximal 164 km/h dem 1,4-Liter-Benziner bei den Fahrleistungen ebenbürtig ist, beim höchsten Drehmoment mit 160 Nm sogar das stärkste und mit durchschnittlich nur 4,3 l/100 km zugleich das sparsamste aller fünf Aggregate ist. Dieses sehr kultivierte und zugleich auch erfreulich leise arbeitende Triebwerk wurde gemeinsam mit Peugeot/ Citroën speziell für kleine und kompakte Fahrzeuge entwickelt und wird unter anderem auch den kompakten neuen Citroën C3 antreiben. Es erfüllt die Abgasnorm EU3. Alle fünf Triebwerke sind übrigens kombiniert mit einem neu entwickelten Fünfgang-Schaltgetriebe ausgerüstet, das sich leicht und exakt schalten lässt.

Beim Fahrwerk des neuen Fiesta setzt Ford auf McPherson-Federbeine vorn und eine neu entwickelte Verbundlenkerachse. hinten. Straff und für manchen schlechten Streckenabschnitt fast schon ein wenig zu hart abgestimmt bietet dieses Fahrwerk in Verbindung mit seiner Servolenkung, die jederzeit einen guten Straßenkontakt vermittelt, hohe Fahrsicherheit und viel Fahrvergnügen. Dabei überrascht es immer wieder, wie hohe Kurvengeschwindigkeiten man diesem Auto zumuten kann, ohne dass es dabei Anstalten macht, über die Vorderräder nach außen zu schieben. Trotzdem darf dieses so sichere Fahrverhalten nicht als Entschuldigung dafür akzeptiert werden, dass Ford zu erst einmal keine Fahrdynamikregelung für den Fiesta anbietet. Zum Glück ist das aber nur eine Übergangsphase, denn in rund einem halben Jahr soll auch ein ESP verfügbar sein. Gebremst wird mit Scheiben vorn und Trommeln hinten und unterstützt durch ein ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung und einen Bremsassistenten, der allerdings nur in Verbindung mit dem 1,6-Liter-Benziner angeboten wird.

"Intelligent Protection System"

Komplett präsentiert sich als "Intelligent Protection System" die Ausstattung für die passive Sicherheit. So gibt es Frontairbags mit zweistufiger, die Unfallschwere berücksichtigender Auslösung, Seitenairbags und auf Wunsch auch Kopf-Schulterairbags für die gesamte Fläche zwischen A- und C-Säule. Auf allen Plätzen gibt es Kopfstützen und Dreipunkt-Gurte, die vorn mit pyrotechnischen Gurtstraffern und Gurtkraftbegrenzern ausgestattet sind. Zur Sicherheitsausstattung der bei Verwindungssteifigkeit und Crashsicherheit erheblich verbesserten Karosserie gehören auch bei einem schweren Unfall wegklappende Pedale.

Ford bietet seinen neuen Fiesta in vier Ausstattungsvarianten an, von denen sich bereits die Basisausstattung Fiesta als sehr ordentlich erweist. Als einzige ist sie allerdings nicht mit dem 1,6-Liter-Benziner verfügbar. Sehr komfortabel tritt der Ford Fiesta Ambiente auf, für den alle Motorvarianten angeboten werden, während für den dynamischen Fiesta Trend und das Spitzenmodell Fiesta Ghia auf den kleinen 1,3-Liter-Benziner verzichtet wird. Und trotz seiner zahlreichen Verbesserungen und des Aufstiegs in die nächsthöhere Klasse bleiben die Preise erfreulich moderat. So beginnt die Preisliste mit 11615 Euro für den fünftürigen Fiesta 1.3 mit 43 kW (58 PS) - das bedeutet ausstattungsbereinigt nur eine unwesentliche Steigerung gegenüber dem Vorgänger. Und auch die teuerste Fiesta Version, der Ghia TDCi für 15690 Euro überzeugt durch seinen attraktiven Preis.

Neben dem Fünftürer und dem erst später erscheinenden Dreitürer wird es vom Fiesta mindestens zwei weitere Karosserievarianten geben. Die eine wird ein sehr kompakter Minivan sein - ein Microvan. Außerdem kommt eine Ablösung für den Fiesta Courier, die sich am so erfolgreichen Konzept von Citroën Berlingo, Renault Kangoo und Co. orientiert. Wie der neue Corsa Combo von Opel wird er dann nach unverständlich langer Inaktivität der deutschen Hersteller eine zweite deutsche Antwort auf diese so überzeugenden und so preiswerten Franzosen und Italiener fürs Gewerbe und vor allem auch für junge Familien sein, bei der Ford allerdings klar zwischen den reinen Gewerbeversionen und den Familienautos unterscheidet.


Daten auf einen Blick

Karosserie: Fünftürige fünfsitzige Schräghecklimousine.

Maße/Gewichte: 3,92 m lang, 1,68 m breit, 1,43 m hoch, Radstand 2,49 m, Leergewicht 1107-1145 kg, Zuladung 413-432 kg, Kofferraum 284-613 l, Tankinhalt 45 l.

Antrieb: Vierzylinder-Benziner mit Zweiventiltechnik mit 1,3 l Hubraum und Leistungen von 43 und 50 kW (58 und 68 PS), Vierzylinder-Benziner mit Vierventiltechnik mit 1,4l und 1,6 l Hubraum und Leistungen von 58 und 74 kW (80 und 100 PS), direkt einspritzender 1,4-l-Turbodiesel mit Common-Rail-Hochdruckeinspritzung und einer Leistung von 50 kW (68 PS), Abgasnorm EU4 (Benziner) und EU3 (Diesel), Fünfgang-Schaltgetriebe, Frontantrieb.

Fahrwerk: Einzelradaufhängung vorn mit Federbeinen, hinten Verbundlenkerachse, Zahnstangenlenkung mit Servounterstützung, vorn Scheibenbremsen, hinten Trommelbremsen, ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung (EBD), Reifen 175/65 R 14.

Fahrleistungen: Benziner: 10,6-18,9 s von Null auf Tempo 100, 150-183 km/h, Diesel: 14,9 s von Null auf Tempo 100, 164 km/h.

Verbrauch: Benziner durchschnittlich 6,2-6,6 l/100 km und Diesel 4,3 l/100 km.

Preise: Von 11615 Euro bis 15 690 Euro.

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