Gericht bestätigt Insolvenzplan : Immer wieder Suhrkamp

von
Anhalter Bahnhof

Ganz kurz darf man sich das vielleicht einmal vorstellen. Wie das also wäre, wenn es ein ganzes Jahr lang keine Suhrkamp-Meldung geben würde; keine Meldung über stattgegebene oder abgewiesene Klagen, Gerichtsurteile und Berufungsverfahren. Wenn ein Jahr verstreichen würde, in dem der Suhrkamp Verlag immer nur am Ende von Rezensionen auftaucht: bei den Hinweisen auf Autorenname, Titel und gegebenenfalls Übersetzer, auf Seitenzahl, Preis – und eben den Verlag, der das Buch veröffentlicht.

Wenn es 2014 zum Beispiel nur um das „Berliner Journal“ von Max Frisch gehen würde, das am Freitag erscheint. Oder um den erst im August erscheinenden sogenannten Volumenroman „Je dickens, destojewski!“ von Thomas Kapielski. Doch, das wäre was! Bücher statt Gerichtsakten! Literatur statt Insolvenzpläne! Autorenporträts statt Berkéwicz-und-Barlach-Psychogramme.

Nun aber zu Ende vorgestellt, fantasiert und geträumt! Auch 2014 wird ein Jahr, in dem der Suhrkamp Verlag zwar auch Bücher produziert, das aber wieder beherrscht wird von seiner wirtschaftlichen und strukturellen Verfasstheit. Den Anfang hat gerade das Amtsgericht Charlottenburg gemacht: Es billigt nun auch den von den Gläubigern schon abgesegneten Suhrkamp-Insolvenzplan – und damit die Umwandlung des Verlags von einer Kommanditgesellschaft in eine Aktiengesellschaft. Das war zu erwarten. Doch das Ganze könnte sich ziehen. Minderheitsgesellschafter Barlach, der dadurch viel Einfluss verliert, darf innerhalb der nächsten zwei Wochen Beschwerde einlegen. Wenn er das tut, dauert die Prüfung dieser Beschwerde wiederum mehrere Wochen. Auch in Frankfurt stehen noch Gerichtstermine an. Letztendlich läuft alles auf die Suhrkamp AG hinaus. „Innerhalb des 1. Quartals 2014“ hoffe man, diese umsetzen zu können, heißt es beim Verlag.

Und dann? Wer investiert? Wer steigt in den Verlag ein? Wird dieser schlanker, wendiger? Was macht das Sammler-Ehepaar Ströher, das ja schon die Honorare vieler Suhrkamp-Autoren zahlt? Zieht sich Ulla Berkéwicz zurück? Wann schreibt sie ihr Buch „Reine Erfindung“, das im Mai 2013 veröffentlicht werden sollte? Fragen über Fragen, von denen einige bestimmt erst 2015 beantwortet werden können. Gerrit Bartels

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