Zeitung Heute : Geringverdiener erleiden 14 Prozent Reallohnverlust

Berlin/Wiesbaden - Die Schere zwischen niedrigen und hohen Löhnen klafft in Deutschland immer weiter auseinander. Die Realeinkommen des am wenigsten verdienenden Bevölkerungsviertels seien zwischen 1995 und 2006 um fast 14 Prozent gesunken, zeigt eine Studie des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen. Besserverdienende hätten im gleichen Zeitraum ein reales Plus bei den Löhnen von 3,5 Prozent erhalten. Zu den Verlierern auf dem Arbeitsmarkt gehören nach Ansicht der Wissenschaftler nicht nur Minijobber und Teilzeitkräfte, sondern auch Geringverdiener mit Vollzeitstelle. Die Einkommensumverteilung habe die untersten Lohngruppen am härtesten getroffen. „Reallohnverluste reichen aber bis in die mittleren Einkommensgruppen hinein“, schreiben die Autoren in der Studie, die an diesem Mittwoch in den WSI-Mitteilungen der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung erscheint. Die Arbeitsmarktforscher plädieren für einen gesetzlichen Mindestlohn, der in allen Branchen gilt.

Deutliche Einkommensunterschiede gibt es nach Angaben des Statistischen Bundesamts auch zwischen Frauen und Männern in Deutschland. So haben Frauen 2006 durchschnittlich 24 Prozent weniger verdient als Männer. Damit lag der Verdienstunterschied in etwa auf dem Niveau der Vorjahre. Wie die Statistiker am Dienstag in Wiesbaden mitteilten, verdienten Frauen in Deutschland durchschnittlich pro Stunde 14,05 Euro brutto. Der Bruttostundenverdienst von Männern betrug 18,38 Euro. In keinem einzigen Wirtschaftszweig verdienten Frauen mehr als Männer. Mit steigendem Alter der Beschäftigten nahm der Verdienstunterschied zu. Im früheren Bundesgebiet war er deutlich höher ausgeprägt als in den neuen Ländern. ce/dpa

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