Zeitung Heute : Geschichten vom Abstellgleis

Hast du heute abend schon was vor?" "Ja, ich muß Geld beschaffen"."Wie machst du das?" "Ach, ich muß nur irgendjemanden schlagen".Der Jugendliche, der die Schläge austeilen wird, spricht ganz gelangweilt über seine Tätigkeit, so als müsse er nachher noch den Müll wegbringen.Er heißt Mir und ist einer von fünf Freunden, die außer Erziehungsheim und Knast kaum Perspektiven haben.Erik Poppes harter, flotter Panoramabeitrag spielt in Oslo, doch selbst Skandinavien-Kenner werden davon kaum etwas spüren, denn "Schpaaa" führt Schauplätze vor, die kein Tourist zu sehen bekommt.Seine Protagonisten, überwiegend Flüchtlinge aus dem ehemaligen Jugoslawien, hätten ebenso in Paris oder Berlin Asyl suchen können.Keiner braucht sie, und daraus resultiert ihr Haß.Die Jungs sind nicht alle gleich, einige sind reformierbar, andere kaum: Mir zum Beispiel, der ohne Schuldgefühle Menschen auf den Kopf schlägt, tröstet sich damit, daß der Schädel ernsthafte Verletzungen verhindert.Die Freunde geraten in arge Bedrängnis, als sie zwei Adressen miteinander verwechseln: Einem Mann, den sie zusammenschlagen sollten, überlassen sie versehentlich eine Packung Heroin, während sie den Dealer, dem sie das Heroin geben sollten, zusammenschlagen.Was die Darstellung von Jugendkriminalität angeht, bietet "Schpaaa" einem abgebrühten Mitteleuropäer nichts Neues.In Norwegen hat der Film allerdings Aufsehen erregt und wurde als Quasi-Dokument sogar bestürzten Mitgliedern des Familienministeriums vorgeführt. F.N.

Heute 17 Uhr im International, Mo 19 Uhr im Royal-Palast,Di 13 Uhr im Atelier am Zoo

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