GESCHICHTSAUSSTELLUNG„Gründerzeit 1848-1871“ : Quo vadis, Germania?

Martina Scheffler

Es gibt Menschen, die sagen, Geschichte wiederhole sich. Andere behaupten: Es war alles schon mal da, nur besser. Etwas Wahres ist wohl dran, das zeigt auch das Deutsche Historische Museum mit seiner „Gründerzeit“-Ausstellung. Wer dort vom Auseinanderdriften der Gesellschaft in ein kleines, aber sehr feines Bürgertum, das unter sich bleiben möchte, und die breite Masse der schlecht bezahlten Arbeiter liest, zieht unweigerlich Parallelen zur Gegenwart. Plastisch zeigen sich die sozialen Unterschiede in der Epoche zwischen Restauration und Kaiserreich: beispielsweise an Stichen und Fotografien von Villen der Gründerväter wie Krupp und Thyssen auf der einen Seite und persönlichen Gegenständen der Arbeiter auf der anderen, etwa dem Gesindebuch des Dienstmädchens Minna Heyer.

Dass Reichtum und Fortschritt großteils durch die Knochenarbeit jener ermöglicht wurde, die in Fabriken und im Bergbau schufteten, ist ein wichtiger Punkt der Ausstellung. Neben all den Preziosen, Krinolinen, Prunkdeckelhumpen steht ein schauriges Exponat, das verdeutlicht, wie der Alltag für die meisten Menschen aussah: ein schwarzes Etwas mit grünen Einsprengseln wie vermodertes Moos – das Präparat einer Steinhauerlunge. Die Arbeit in den Gruben führte bei vielen zum Tod.

Das Ende der Gründerzeit erinnert wieder an unsere Epoche: Immer neue Unternehmensgründungen erfolgen von 1870 bis 1874, nur die Hälfte überlebt, 1873 setzt die Krise ein, die das ganze Jahrzehnt andauert. Nicht nur damals fragten sich die Deutschen, wohin es mit ihrem Land gehen würde. Martina Scheffler

Deutsches Historisches Museum, bis So 31. 8.,

täglich 10-18 Uhr, 5 €, bis 18 Jahre frei

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