Zeitung Heute : Gesundheitsmanager für die Tropen

JUSTIN WESTHOFF

Kaum ist Medizinern und Öffentlichkeit halbwegs deutlich geworden, was "public health" bedeutet, nämlich auf gesellschaftliche Verhältnisse und bevökerungsbezogene Vorbeugung ausgerichtete Forschung und Praxis der "öffentlichen Gesundheit", da gibt es einen weiteren Studiengang: "International Health". Hierbei handelt es sich um eine Zusatzausbildung nach einem akademischen Abschluß für Ärzte und andere Berufsgruppen. Die "post graduate"-Ausbildung wird mit einem weltweit anerkannten "Master of International Health" abgeschlossen. Das Fach beschäftigt sich mit Gesundheitsproblemen in ärmeren Ländern. Die Teilnehmer werden für klinische Arbeit oder für Aufgaben in Regierungs- und internationalen Einrichtungen ausgebildet. Die Weiterbildung soll sie zum Beispiel befähigen, das Management von Gesundheitseinrichtungen oder speziellen Programmen (etwa: Impfen) zu leiten.21 europäische Institutionen haben sich 1996 zum Netzwerk "TropEdEurope" zusammengeschlossen, um diese Aus- und Weiterbildung zu ermöglichen.In Deutschland wird es von lediglich zwei Universitäten getragen. Außer Heidelberg ist dies die Humboldt Universität mit dem von Ulrich Bienzle in Personalunion geleiteten Berliner Institut für Tropenmedizin.Das Aufbaustudium besteht aus drei Teilen - einem "Kernkurs", mehreren "Fortgeschrittenen-Modulen" sowie einer Abschlußarbeit und einer Prüfung. Es dauert in der Regel ein Jahr, kann aber auch neben einer Berufstätigkeit absolviert (und so bis auf fünf Jahre ausgedehnt) werden. Jeweils eine der europäischen Unis betreut die Teilnehmer, diese sind aber verpflichtet, mindestens ein weiteres Institut aufzusuchen. Die "Module" werden teilweise in "Entwicklungsländern" ausgerichtet.Zu den Ausbildungsinhalten gehören nicht nur Tropenmedizin, Infektiologie und "exotische" Krankheiten bis hin zu Gifttieren, sondern zum Beispiel auch Kinderheilkunde in den Tropen, Sexualwissenschaft, Medizin für werdende Mütter, Arbeitsmedizin oder der vernünftige Umgang mit Antibiotika. Besonders wichtig sind zudem Fächer wie Gesundheitsökonomie, Sozialmedizin, Management-Techniken oder Haus- und Stadthygiene.Das Berliner Institut hält zum einen den dreimonatigen Kernkurs ab, der diesmal am 13. September beginnt. Zum anderen bietet das Tropen-Institut einen vierwöchigen, vertiefenden Kurs in Klinischer Tropenmedizin und betreut ein anschließendes, ebenfalls vierwöchiges Modul in Tansania, bei dem das dort Erlernte in der Praxis angewandt werden soll. Insbesondere drei Gruppen - so Bienzle - interessieren sich für das Aufbaustudium: Ärzte, die importierte Tropenkrankheiten in der Bundesrepublik behandeln, deutsche Ärzte, die in Entwicklungsländern arbeiten wollen sowie hier lebende Ärzte aus Entwicklungsländern, die sich auf eine höher qualifizierte Tätigkeit in ihrer Heimat vorbereiten. Letztere sollen die Hälfte der Teilnehmer ausmachen.Die Finanzen sind bisher der einzige Wermutstropfen bei einer Zusatzqualifikation, die ansonsten die Berufschancen der Absolventen mit Sicherheit erhöht. Denn allein der "Kernkurs" kostet in Berlin 3900 Mark (andernorts noch mehr), die Gesamt-Studienkosten betragen rund 13 000 Mark, Reise und Unterbringung müssen von den Teilnehmern zusätzlich getragen werden. Die Deutsche Stiftung für internationale Entwicklung (DSE) und das Institut für Tropenmedizin helfen allerdings bei der Bewerbung um Stipendien.

Die Kurssprache ist englisch. Auskünfte und Anmeldung: Institut für Tropenmedizin, Kurssekretariat, Spandauer Damm 130, 14050 Berlin, t 301 16 -767 / -704, fax: -888, E-Mail: carsten.mantel@charite.de.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben