Zeitung Heute : Gewinn orientierte Personalplanung braucht den langfristigen Blick

Personalprofis beim gut besuchten Treffpunkt Tagesspiegel über die Chancen, Risiken und Visionen von Personal Controlling

Marion Hartig

„Zu teuer“ und „die Rentablität ist nicht wirklich nachweisbar“, argumentieren Kritiker des Personal Controlling (PC), die Befürworter räumen ein, dass sich der Erfolg zwar nicht in Zahlen ausdrücken lässt, sich aber langfristig auf der Gewinnrechung widerspiegelt. Um Pro und Contra des Instrumentes der Unternehmensführung ging es beim jüngsten Treffpunkt Tagesspiegel.

Zur Veranstaltung „Personal Controlling: Chancen nutzen – Risiken erkennen – Visionen gestalten“ saßen im gut besuchten Saal des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI) Spezialisten auf dem Podium: Martina Niemann, Chef-Personalplanerin der Deutschen Bahn AG, und René Pannier, Unternehmensberater Personal Controlling der Deutschen Gesellschaft für Personalführung. Moderator der Runde war Gerd Appenzeller, Redaktionsdirektor des Tagesspiegel. Für Personalplanerin Niemann liegen die Vorteile des PC klar auf der Hand: Bei der Deutschen Bahn habe Personal Managing bei der Optimierung der Arbeitsprozesse einen hohen Stellenwert eingenommen. Mitarbeiterbefragungen seien eingeführt, der Kundenservice analysiert, joborientierte Weiterbildung und interne Kommunikation auch mit dem Betriebsrat groß geschrieben. Und das Ergebnis könne sich sehen lassen. Trotz 40 Prozent weniger Mitarbeitern seit der Privatisierung 1993 habe die DB eine Produktivitätssteigerung um 170 Prozent geschafft.

„Personal Manager sind nicht nur Verwalter, sondern auch Gestalter“, betont Pannier. Die Rentabilität ihrer Maßnahmen zeige sich in dem Vorantreiben von Aktionen, die langfristig die Leistungskompetenz eines Unternehmens stärken. Effektiv zu planen sei aber nur möglich, wenn die Personalberater in unternehmerische Entscheidungen eingebunden und Personal Controlling als eigenständiger, autonom steuernder Teilbereich angesehen werde. Das müsse stärker als bisher in den Betrieben praktiziert werden. Mangelnde Entscheidungskompetenz blockiere Handlungsspielraum. Mit diesem Anspruch stoßen Personal Controller nicht selten auf Widerstand, weiß Pannier. Führungskräften falle die Akzeptanz solcher Instrumente nicht leicht. Sie fühlten sich überwacht, statt PC als Entlastung zu sehen.

Personal Manager können keine 1:1 Gewinnzahlen präsentieren, gibt DB-Personalplanerin Niemann auf Kritik aus dem Publikum zu. Qualifizierung von Mitarbeitern koste und der Input an Investition sei nicht gleich dem Output an Gewinn. Auch sie argumentiert für einen langfristigen Blick. Auf Dauer lohne sich das Entwickeln von Mitarbeitern. Weiterbildung zahle sich durch höhere Motivation und verbesserte Kundenorientierung aus, greift Niemann auf Erfahrungen der Deutschen Bahn zurück. Mit Hilfe von Skalen oder Mitarbeitertests lasse sich beurteilen, wie gut oder schlecht eine Maßnahme gelaufen sei, sagt Pannier.

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