Zeitung Heute : Gewitzte Energie, zierliche Starre

SANDRA LUZINA

Tanz und Tšne: "Flexible ResponseÒ im Berliner Ballhaus Naunynstra§eDer Kunst der Improvisation haben sie sich verschrieben: die TŠnzer Gernot Frischling und Guido Witte, die Musiker Volker Frischling und Ulli Bartel.Flexible Response nennt sich das Improvisations-Quartett, das ins Ballhaus Naunynstra§e zu eineinhalb spannenden Stunden lud Ð wirklich machen die vier ihrem Namen alle Ehre: ein gut aufeinander eingespieltes Team.Die TŠnzer bewegen sich nicht direkt aufeinander zu, sie rŸcken einander nicht umstandslos zuleibe, sie zetteln ein raffiniertes Spiel aus Distanz und NŠhe an.Sachte entwickelt sich ein Kontakt, langsam entspinnt sich ein lebhafter Dialog, ein Wechselspiel aus kommunikativen Anreizen, kšrperlichen Anstš§en, willentlichen Impulsen.Flexibel ist nicht nur die Bewegungssprache, als wandelbar erweist sich die Beziehung der beiden. Wie allein schon das Bewu§tsein eines anderen das eigene Agieren verŠndert, zeigt sich zu Beginn, wenn der Tanz noch ganz um Selbstwahrnehmung kreist.Zwei unterschiedliche BŸhnentemperamente treffen aufeinander.Guido Witte ist anscheinend der draufgŠngerische Part.Er prescht los, verbreitet eine quecksilbrige Energie.Flink fordert er heraus, initiiert den Kontakt, entzieht sich auf gewitzte Weise Ð einer der nicht zu fassen ist.Gernot Frischling stellt dagegen innere Anspannung, untergrŸndige Erregung in den Mittelpunkt.Er zeigt den gefesselten Bewegungsdrang.Die Spannungen treibt er bis zur Starre, dann wieder scheint sein zierlicher Kšrper in Auflšsung begriffen.Das abwartende Umkreisen weicht deutlicher Herausforderung Ð doch die TŠnzer liefern sich keine verbissene Machtprobe.Sie vermeiden simple Anpassung wie dumpfen Widerstand.FŸr Momente blitzt Dramatisches auf Ð immer dann, wenn eine unvermutet direkte Geste den anderen zu entwaffnen scheint.Dann wieder dominiert ausgelassenes Spiel, der eine stiehlt dem anderen die Show. Schšn zu sehen ist, wie aus einer simplen Bewegung ein Thema entwickelt wird, wie der andere ein Motiv aufgreift, es variiert und weitertreibt.Das gilt auch fŸr die Musiker, Ulli Bartel an Cello und Geige, Gernot Frischling an Schlagzeug und Vibraphon.Sie treiben das Geschehen an, sie erzeugen vage Stimmungen, behutsam geben sie den Aktionen eine Richtung.Wo sie melodische Vorgaben machen, da scheren die TŠnzer zumeist ins Parodistische aus.Niemand gab hier auf Dauer den Ton an, das BŸhnengeschehen blieb wunderbar in der Schwebe.Aus unterschiedlichen SensibilitŠten resultierte ein abwechslungsreiches Zusammenspiel.SANDRA LUZINA

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben