GIRLPOPLena : Magie des Moments

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Deutsche können Autos bauen. Überhaupt Maschinen. Und das so gut, dass die im Ausland bekannteste aller deutschen Popgruppen, Kraftwerk, auf diesem Maschinenmythos ihre Karriere aufbauen konnte. Für leichtfüßige, optimistische Popmusik hingegen wurde Deutschland selten gerühmt. Beim europäischen Popvergleich, dem Eurovision Song Contest, landeten die deutschen Teilnehmer regelmäßig unter „ferner liefen“. Die eine Ausnahme – Nicoles Sieg 1982 mit „Ein bisschen Frieden“ – war eher dem damaligen friedensbewegten Zeitgeist geschuldet als der Qualität des Songs.

Und dann kam Lena. Eine 19-jährige Abiturientin aus Hannover, die 2010 mit einem luftig groovenden Dancefloor-Stomper namens „Satellite“ über die Eurovisionsbühne in Oslo hoppelte und sich mit Schalk und Charme in die Herzen der Fernsehzuschauer ganz Europas sang. Und damit vermutlich mehr für die Sympathiewerte ihrer Heimat leistete als alle finanziellen Hilfsprogramme. Und ja, auch das: Lena bescherte einer in Sachen popkultureller Distinktion und Coolness nicht gerade verwöhnten Nation einen unerwarteten Triumph. Natürlich gab es schon damals böse Zungen, die ihr weiter reichendes Talent absprachen und sie nur als Marionette ihres Mentors Stefan Raab sahen. In gewisser Weise stimmt das auch: Lena ist, das haben drei Alben und diverse Konzerte bewiesen, (noch?) keine herausragende Interpretin oder gar Autorin. Aber sie ist eine eigensinnige, sympathische, immer wieder auch mitreißende Künstlerin, deren Werdegang zu verfolgen alles andere als Zeitverschwendung ist.Jörg Wunder

Postbahnhof, Mo 8.4., 20 Uhr, 30 €

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