Zeitung Heute : Glanz und Gloria

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Berliner Filmwochenende: Europas Filmpreis gibt sich populärer jal "Felix" hieß er, aber viel Glück hat er nicht gehabt.Vor zehn Jahren bombastisch als Euro-Oscar aus der Taufe gehoben, verkam der europäische Filmpreis alsbald zu einer Spätherbst-Veranstaltung in immer kleinerem, peinlicherem Berliner Rahmen."Autorenfilmer prämieren Autorenfilmer" - so hätte man die von der Europäischen Film-Akademie (EFA) ausgerichtete Zeremonie auch nennen können.Da freuten sich die Cineasten gleich lieber auf die Berlinale. Schnee von gestern, so scheint es - denn seit der britische Produzent Nik Powell den EFA-Vorsitz von Wim Wenders übernahm, öffnete sich der erlauchte Kreis von Filmkünstlern radikal.Heute hat die EFA weit über 300 Mitglieder - internationale Produzenten, Regisseure, Festivalmacher und Filmfunktionäre -, und alle stimmen gemeinsam über die Kandidatenfilme ab.Letztes Jahr war, in einem hübschen Zelt am Lützowplatz, zumindest der neue spirit schon zu spüren, dies Jahr soll ein Quantensprung getan werden.Und den Namen "Felix" hat man auch gleich abgeschafft. Ähnlich dem Deutschen Filmpreis wird der "European Film Award" nun am Sonnabend in einem Hangar des Flughafens Tempelhof verliehen - im Rahmen einer Gala mit Stars, von Juliette Binoche bis Anthony Minghella, von Jude Law bis Jeremy Irons, von Jeanne Moreau bis Milos Forman (letztere werden für ihr Lebenswerk ausgezeichnet).Die Verleihung wird in 57 Ländern im Fernsehen übertragen - nicht jedoch in Deutschland.Offenbar störten sich die Sender daran, daß die Sache auf Englisch stattfindet.Ob sich solche Zurückhaltung nächstes Jahr noch wird halten können? Eine geschlossene Veranstaltung ist dies Berliner Filmwochenende dennoch keineswegs - schließlich werden alle nominierten Filme heute und morgen im Arsenal-Kino vorab gezeigt, außerdem gibt es eine Foto-Ausstellung mit Filmreihe.Heute sind im Arsenal die beiden europäischen Blockbuster "The English Patient" (14 Uhr) und "The Fifth Element" (18 Uhr) zu sehen, außerdem stehen Bertrand Taverniers "Capitaine Conan" (10 Uhr) und "Savrseni krug" (22 Uhr) des Bosniers Ademir Kenovic auf dem Programm - beide Filme waren in Deutschland noch nicht im Kino.Morgen: Peter Cattaneos Überraschungserfolg "The Full Monty" (10 Uhr), deutscher Titel "Ganz oder gar nicht", und "Vor" (12 Uhr) von Pavel Chukrai.Außerdem zeigt das Arsenal drei Filme, deren Preise zum "European Film Award" bereits feststehen: "Gigi, Monica und Bianca" von Dervaux/Dardenne (European Documentary Award, morgen 18 Uhr), Manoel de Oliveiras "Viagem ao principio do mundo" (Fipresci-Preis, morgen 20 Uhr) und Bruno Dumonts "La Vie de Jésus" (Sonntag, 17 Uhr, Fassbinder Award für die europäische Entdeckung des Jahres). Ab Sonnabend ist im Philip-Johnson-Haus am Checkpoint Charlie ergänzend die Fotoschau "Screenwriters" zu sehen - Porträts amerikanischer Drehbuchautoren von Helena Lumme und Mika Manninen.Paul Schrader, darin als Drehbuchautor präsent, wird seinen erst im Februar ins Kino kommenden Film "Affliction" vorab im Filmtheater an der Friedrichstraße (Sonnabend, 17 Uhr und Sonntag 20 Uhr) vorstellen.Dort läuft bis Ende Dezember auch eine die Ausstellung begleitende Filmreihe.

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