Zeitung Heute : Glasklare Stimmen

ROMAN RHODE

Das Berliner Takht & Tarab Ensemble in der PassionskircheROMAN RHODEMit seinem Nay-Taqsim beschwört Mohamed Askari, zwischen hellen und dunkleren Tönen, ein hingerissenes Publikum: Die Bambusflöte flattert und gleitet wie eine weiße Taube über die Dächer und Kuppeln einer Kasbah.Ebenso wie der Solo-Vortrag der reich verzierten Knickhalslaute liefert sie die melodischen Arabesken zum musikalischen Thema, das vom kräftigen Strich der Violinen, von Cello und Tabla-Trommel angestimmt oder wiederaufgenommen wird. Die Musik eines Takht-Ensembles, also eines klassischen arabischen Orchesters, kann dabei durchaus eklektisch sein.Besonders in Ägypten sind, neben traditionellen Weisen, auch Operetten und allerlei orientalisch orchestrierte Soundtracks entstanden.Unvergessen aber bleibt die Sängerin Um Kulthum, die mit ihren Liedern und einer geradezu kleopatresken Würde bereits zur modernen Klassik zählt. Gesang ist in der arabischen Welt schon immer die höchste Form der Musik gewesen.Deshalb läßt sich auch das Berliner Takht-Ensemble von einem vierköpfigen Frauenchor, dem Tarab-Ensemble, begleiten.Es sind entzückende, glasklare Stimmen, die, im Dialog mit den Musikern oder allein, regelrechte Poeme rezitieren - über Liebesschmerz, Sehnsucht und den Genuß am Leben. Das Repertoire ist breitgefächert: Osmanische Lieder aus dem 16.und 17.Jahrhundert, irakische und libanesische Folklore sowie zeitgenössische Kompositionen aus Ägypten spiegeln die panarabische Besetzung des Takht & Tarab Ensembles wider.Und die deutschen Musiker an Violine, Cello und Kontrabaß schlagen voller Hingabe die Brücke zum Okzident. Daß das Konzert in der Passionskirche ebenso einfallsreich wie virtuos präsentiert wird, liegt wohl nicht zuletzt am Gründer des Ensembles.Mohamed Askari, Musikethnologe und Multiinstrumentalist aus Ägypten, bewahrt die klassische arabische Musik vor ihrer nostalgischen Vulgarisierung in Imbißstuben oder Bauchtanzstudios.Damit hat er die weiße Taube auf dem Dach des Serails gerettet.

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