Zeitung Heute : Gleich fünf Kilo abgespeckt

BORDEAUX (sid).Er wühlte sich zu zwei Toren, speckte in der "Sauna" von Bordeaux reichlich ab und fühlte sich danach "fast wie tot" - doch "Willi, das Kampfschwein" hat weiter ein lebendiges Ziel vor Augen."Ich möchte im Achtelfinale gegen meinen Freund Olaf Thon spielen", sagte Marc Wilmots (Foto: dpa), belgischer Offensivspieler von Schalke 04.Mit seinen beiden Toren zur 2:0-Führung gegen Mexiko wahrte er zumindest Belgiens Chance aufs Weiterkommen.

Beim Abpfiff hieß es freilich 2:2.Auch den "Roten Teufeln" war es am Ende im Glutofen des Parc Lescure zu heiß, Temperaturen um 38 Grad im Schatten machten auch die Hitze zum Gegner.Wilmots traf zwar, doch seine Kollegen verspielten gegen die "Azteken" eine wesentlich bessere Ausgangsposition.Im letzten Gruppenspiel am 25.Juni muß nun ein Sieg mit drei Toren Unterschied gegen Südkorea her, um ganz sicher weiterzukommen und nicht auf das Ergebnis der Partie Holland gegen Mexiko schielen zu müssen.

Die Enttäuschung über den vergebenen Sieg bei den Belgiern war dementsprechend groß.Jean-Marie Pfaff, Ex-Nationaltorhüter und früherer Schlußmann von Bayern München, schimpfte: "So ein Spiel darf man nie aus der Hand geben." Schließlich lagen die Belgier nicht nur 2:0 in Front, sondern hatten nach dem Platzverweis für Pardo (29.) auch noch einen Mann mehr auf dem Feld.

Doch ein Foul von Verheyen gegen Ramirez - mit "Rot" und dem Elfmeter durch Garcia Aspe zum 1:2 (56.) bestraft - brachte den WM-Vierten von 1986 nach einer knappen Stunde völlig aus dem Konzept.Mexiko nutzte durch Blanco (63.) die Verwirrung in der belgischen Abwehr zum 2:2.

Belgiens Trainer Leekens wollte auf keinen Fall den schottischen Schiedsrichter Hugh Dallas für die Wende im Spiel verantwortlich machen: "Er hat sehr gut gepfiffen, der Elfmeter und die Rote Karte gingen völlig in Ordnung." Auch sein Team suchte nicht nach Ausreden."Im Spiel zehn gegen zehn war Mexiko stärker", räumte Mittelfeldregisseur Enzo Scifo ein."Am Ende mußten wir uns sogar bei unserem Torwart bedanken, daß wir nicht noch verloren haben", meinte Wilmots.

Im Gegenzug trauerte auch Mexikos Trainer Manual Lapuente einem vergebenen "Matchball" nach: Nach dem 2:0 gegen Südkorea hätte ein Sieg den Einzug ins Achtelfinale garantiert."Es wird sicher kein einfaches Spiel gegen Holland.Aber mit einem Sieg können wir uns aus eigener Kraft qualifizieren." Auch ein Remis könnte für die erste Achtelfinal-Qualifikation außerhalb des eigenen Landes reichen.1970 und 1986 kamen die "Azteken" jeweils im eigenen Land daheim bis unter die letzten Acht.

Am Ende ging aber auch den Mexikanern der Saft aus, vor allem Torjäger Luis Hernandez.Der 29jährige mit der blonden Mähne, an dem Bayer Leverkusen Interesse bekundet haben soll, konnte sich im Gegensatz zu seinem Doppelschlag im ersten Spiel gegen Südkorea diesmal nicht so gut in Szene setzen, war in der Schlußphase aber auch durch eine Sprunggelenkverletzung gehandicapt.

Nach dem 2:2 waren alle erst einmal froh, wieder in den Schatten zu kommen."Das war das schwerste Spiel meiner Karriere.Vor dem Spiel habe ich 92 Kilo gewogen, jetzt sind es nur noch 87", erklärt Wilmots und schildert, wie ihm zum Schluß von Anatomischen her zumute war: "Plötzlich hast du keine Beine mehr, um zu laufen."

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