Zeitung Heute : Glückes Schmied

Eheringe gibt es auch zum Selbermachen

Maren Sauer

Eine Ehe ohne Ringe – für die meisten Paare ist das so unvorstellbar wie eine Hochzeit ohne rauschendes Fest. Doch was tun, wenn sich in den Auslagen der Juweliere kein Fingerschmuck fürs Leben finden lässt, der wirklich gefällt? Wenn das Symbol ewiger Liebe, Treue und Zusammengehörigkeit einzigartig und trotzdem bezahlbar sein soll?

Des Rätsels Lösung, so genannte „Trauringkurse“, bietet seit mittlerweile 14 Jahren die Hobbygoldschmiede von Oliver Kargus an. Jeden Sonnabend kommen hier Brautpaare zusammen, um sich von Goldschmieden in die hohe Kunst der Edelmetall-Verarbeitung, den Umgang mit Präzisionsfeilen, -sägen, -zangen, Poliermaschinen und Lötpistolen einweihen zu lassen und ihre eigenen Eheringe herzustellen – mattiert oder glänzend, aus Gelbgold, Rotgold, Weißgold, im Bi- oder Tricolor-Design oder aus Platin, mit eckigen oder runden Brillanten verziert oder ohne Edelstein-Dekor.

„Die anfängliche Skepsis, dass sich die Ringe nicht von gekauften unterscheiden werden, aber bis zu 40 Prozent billiger sind, ist normal“, sagt Oliver Kargus. Doch sie weicht schnell, denn die Kursleiter erklären während des eintägigen Seminars jeden noch so kleinen Arbeitsschritt, demonstrieren ihn und kontrollieren ständig, ob die Teilnehmer alles richtig machen. 60 Euro zahlen sie für den Kurs, den im letzten Jahr etwa 400 Berliner Paare absolvierten. Hinzu kommen die Materialkosten. So werden für einen sieben Gramm schweren, mit einem Brillanten besetzten Ring aus 750er Gelbgold etwa 170 Euro fällig. In einen etwa 14 Gramm schweren Platinspannring inklusive eines 0,20-karätigen Brillanten müssen etwa 950 Euro investiert werden. Jeweils im Preis inbegriffen ist die Namensgravur, die wie das Fassen der Edelsteine von Experten vorgenommen wird. Sie kommen auch zum Einsatz, wenn Paare sich Ringe mit filigran ziselierten Ornamenten oder mit dem eingravierten Fingerabdruck des Partners wünschen. Letzteres liegt derzeit stark im Trend, ebenso die Verarbeitung von Platin in Kombination mit Rotgold.

„Zu selbst gestalteten Ringen hat man einen ganz anderen Bezug als zu gekauften“, weiß Oliver Kargus von Trauringkurs-Absolventen. Wobei einer Tradition aus dem Mittelalter folgend stets der Bräutigam am Ring der Braut und die Braut am Ring des Bräutigams arbeitet - denn das Schmieden des eigenen Eherings verheißt Unglück.

Hobbygoldschmiede Oliver Kargus, Greifswalder Str. 34 (Prenzlauer Berg),

31 80 96 66, www. hobbygoldschmiede.de

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