Zeitung Heute : Glückwunsch!

Axel Hacke ist schon Deutschlands beliebtester Kolumnist – nun wird er auch noch 50. Und alle Welt fragt sich: Wer ist dieser Mann?

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Von Kurt Kister

Axel Hacke gilt ja als ungeheuer witzig. Und bei den Frauen soll er ganz toll ankommen. Allerdings eher bei den Frauen, die so in seinem Alter sind.

Ganz jung ist er jetzt nicht mehr. Einerseits ist man mit 50 heute nicht so alt wie man es früher war. Andererseits halten einen trotzdem die 20-Jährigen für einen Opa, die 30-Jährigen für einen Spießer und die 40-Jährigen für den alten Sack, der endlich Platz machen soll. Wenn man mit 50 eine Vespa fährt, so wie das Hacke tut, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man sich damit selbst an seine Jugend erinnert. 50 ist eigentlich schon ganz schön alt. Mit 50 ist das Leben weitgehend gelaufen. Man merkt das auch daran, dass man fast alles, was man in diesem Alter noch oder wieder einmal tut, damit vergleicht, wie es früher war. Macht man zum Beispiel mit 50 den schweren Fehler, sich noch einmal zu verlieben, merkt man nach spätestens zwei Wochen, dass das mit 30 viel besser war.

Hacke galt schon mit 30 als ungeheuer witzig. Wir verstanden uns damals erstaunlicherweise gut. Ich war in unserer Zeitung für Krieg und Militär zuständig; Hacke dagegen eher für andere Dinge: große Reportagen, subtile Glossen, ironische Streiflichter. Er trug gerne Breitcordhosen, die ich damals Wellblech-Hosen nannte. Er trägt sie heute immer noch. So sehr hat er sich eigentlich gar nicht verändert. Er sieht immer noch aus wie eine erwachsene Version von Harry Potter, was viele Frauen (siehe oben) süüüß finden. Süüüß.

Was mich damals gelinde beeindruckte, war die Tatsache, dass Hacke nicht nur gedient hatte, sondern auch noch als Panzerkommandant ausgebildet worden war. Er behauptete, er habe bei einem Manöver einmal seinen Panzer so unglücklich über eine Bodenwelle bewegt, dass sich das Geschützrohr in die Erde gebohrt habe. Anschließend habe er, behauptete er weiter, das Rohr mit einem Schuss Übungsmunition vom Dreck befreien wollen, was dem Rohr aber nicht gut bekommen sei.

Ich weiß nicht, ob die Geschichte stimmt. Einerseits kann das gut sein, weil Hacke zwar brillant schreibt, ansonsten aber ein eher unbeholfener Mensch ist. So eine Mischung aus Woody Allen und Towje Kleiner. Er könnte durchaus auf die Idee kommen, die Kanone mit einer Granate zu putzen. (Ein Leopard-Panzer passt eigentlich nicht zu ihm, sondern eher 2 CV, Velosolex, Vespa.) Andererseits hört sich die Geschichte mit dem Panzer so an, als habe sie Hacke erfunden. So wie er die meisten seiner Geschichten erfindet. Von denen glauben nach einer Emnid-Umfrage übrigens 76 Prozent aller Frauen der Altersgruppe 39 bis 49, dass sie wahr sind.

Axel Hacke jedenfalls hat sich seinen Traum erfüllt. Als er noch bei unserer Zeitung war, fing er bald an, darüber zu klagen, dass er nicht immer dasselbe machen wolle. Nicht immer diese Reportagen schreiben, diese ewigen Glossen, dieses kleine Zeugs jeden Tag. Er wurde wegen dem Zeugs zwar immer berühmter, allerdings nur bei den Lesern unserer Zeitung. Irgendwann mochte er das nicht mehr. Außerdem fühlte er sich, wie das bei jedem Journalisten eintritt, der sich für einen Autor hält (oder gar einer ist), schlecht betreut von der Redaktion, der Zeitung, den Dingen überhaupt. Also kündigte Hacke irgendwann.

Seitdem ist alles anders. Er ist sehr berühmt und das nicht nur bei den Lesern der „Süddeutschen“.

Einmal rollte ich beim Hugendubel in Charlottenburg die Rolltreppe hinauf und wäre ganz erschrocken fast gegen die Fahrtrichtung wieder nach unten gelaufen. Oben nämlich hatten sie eine große Fotowand aufgestellt, vielleicht drei auf drei Meter, von der aus mich ein riesiger Hacke anglotzte. Es war die Werbung für sein neues Buch: ein weit überlebensgroßer Starschnitt von Hacke in einer Wellblechhose und einem modischen Kurzmantel. Wahrscheinlich hielt er auch eine Autorenlesung beim Charlottenburger Hugendubel. So ist das, wenn man ein berühmter Schriftsteller ist.

Seitdem er ein so berühmter Schriftsteller geworden ist, sehe ich ihn nicht mehr so häufig. Das ist schade. Einerseits war es manchmal ganz nett, früher, als alle noch nicht berühmt waren. Da veranstaltete Hacke Partys in Gurnöbach (da wohnte er mal), zu denen auch der damals ebenfalls unberühmte Günther Jauch gerne kam. Na ja, vorbei. Jauch und Hacke berühmt, Gurnöbach in Flammen aufgegangen. Jedenfalls metaphorisch.

Andererseits wollte ich den Hacke schon immer mal fragen, wie das jetzt eigentlich ist als Schriftsteller. Ob man mit diesem Ruhm gut zurechtkommt? Was man denn mit all dem vielen Geld so macht? Ob ein Schriftsteller wirklich besser betreut wird als ein schreibender Redakteur? Und vor allem würde mich das mit dem Mal-was-anderes-Machen interessieren. Früher hat Hacke Reportagen, Glossen und Kommentare geschrieben. In unserer Zeitung. Dann hat er gekündigt. Jetzt schreibt er nur noch Glossen. Die aber in verschiedenen Zeitungen, in Zeitschriften und in Büchern.

Ist es das also? Kommt es in Wirklichkeit gar nicht darauf an, was man schreibt, sondern vielmehr darauf, wo man gedruckt wird?

Der Autor, 48, ist stellvertretender Chefredakteur der „Süddeutschen Zeitung“ und teilte dort zeitweise ein Büro mit Axel Hacke. Kister kann nach eigenem Bekunden „über fast niemanden nett schreiben“. Hier ist es dann doch gelungen.

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