Zeitung Heute : Goldgrube Jobbörse

SUSANNE PREUSS

Zum Vorstellungsgespräch kommen die Bewerber noch persönlich.Aber alles andere kann durchaus elektronisch gehen.Passfoto, handschriftlicher Lebenslauf und Zeugniskopien sind zwar noch längst nicht passé, aber Bewerbungen übers Internet sind groß im Kommen.Das gilt durchaus nicht nur für Freaks.Unter den neuen Mitarbeitern bei dem Lasermaschinenspezialisten Trumpf in Ditzingen beispielsweise, die ihre Bewerbung per E-Mail geschickt haben, ist neben einem Software-Entwickler und einem Projektingenieur auch ein gewerblicher Mitarbeiter.

Wer vom heimischen Computer aus Kontakt mit seinem Traum-Arbeitgeber aufnimmt, hat durchaus gute Chancen.Denn dieses Bewerbungsverfahren signalisiert nicht nur Eigeninitiative - dazu könnte ein normaler Brief ebenso dienen.Bewerber, die eine E-Mail schreiben, zeigen, daß sie neuen Medien - wahrscheinlich neuen Technologien ganz allgemein - aufgeschlossen gegenüberstehen."Früher haben wir viele Bewerber gehabt, die allenfalls ihre Diplomarbeit mit dem Computer geschrieben hatten", berichtet Ulrich Köster vom Medienkonzern Bertelsmann.Köster bevorzugt als Personalleiter für die Sparte Multimedia Leute, die zeigen, daß sie in diesem Breich nicht ganz unbedarft sind.

Köster fordert solche Signale bewußt ein.Schon vor vier Jahren, als in Deutschland noch kaum jemand mit dem Begriff Internet etwas anzufangen wußte, war in den Zeitungsinseraten von Bertelsmann eine E-Mail-Adresse angegeben, über die Kontakte geknüpft werden konnten."Seither nimmt die Zahl der elektronischen Bewerbungen ständig zu", berichtet Köster.Mancher EDV-Spezialist oder Multimedia-Redakteur, der bei Bertelsmann Arbeit sucht, verweist sogar auf eine eigene Homepage im Internet, die für Personalleute durchaus aufschlußreich sein kann.

Ein wichtiger Vorteil elektronischer Bewerbungen ist die Schnelligkeit."Die Fachabteilungen können in Sekundenschnelle zugreifen, auf Papier kann der Durchlauf durch einen Konzern Wochen dauern", berichtet Köster von den Erfahrungen bei Bertelsmann.Davon profitieren die Unternehmen, die schnell neues Personal finden, aber auch die Bewerber, die rasch mit einer Antwort rechnen können.Den Zeitvorteil weiß man auch bei der Deutschen Bank zu schätzen.Dort hat man noch eine andere Erfahrung gemacht: "Die Klientel, die sich per E-Mail meldet, ist sehr viel internationaler", berichtet Armin Niedermeier.

Wo das Interesse so groß ist, lassen sich natürlich auch Geschäfte machen.Schon gibt es Dutzende von Stellenbörsen im Internet, die teilweise mehrere tausend Jobs quer durch alle Branchen anzubieten haben.Für Arbeitsuchende ist das Durchstöbern der elektronischen Angebote in der Regel kostenlos.Teilweise kann man sich sogar die neuen Stellenangebote, die ganz individuellen Anforderungen entsprechen, per E-Mail auf den heimischen Computer schicken lassen.Aus purer Wohltätigkeit geschieht das natürlich nicht.Die Jobbörsen verdienen ihr Geld damit, daß Firmen ihre Stellenangebote in den jeweiligen Datenbanken plazieren.Die Preise dafür schwanken erheblich.Unternehmen mit bekanntem Namen können durchaus auf Gratisanzeigen spekulieren, denn vom Renommee der Inserenten profitieren auch die Jobbörsen.In einem Markt, der sich gerade erst entwickelt, kann das entscheidend sein.Die Preise steigen, wenn die elektronischen Stellenmärkte auf millionfache Zugriffe verweisen können, wie etwa die Marktführer Jobs & Adverts, Carreernet oder Jobware.

Im virtuellen Arbeitsamt können die Beschreibung von 300 000 offenen Stellen quer durch die Republik sowie Informationen über bisher 600 000 Bewerber abgerufen werden, Tendenz steigend.Das Angebot wird intensiv genutzt - obwohl erst im April die Pilotphase beendet war und erst seither ausreichende Rechnerkapazitäten zur Verfügung stehen.Täglich wählen bereits mehr als 80 000 Menschen die Internetadresse " www.arbeitsamt.de " an.

Solch schnelle Dienstleistung zieht offenbar eine ganz neue Klientel an.Jeder dritte Betrieb, der freie Stellen auf diesem Weg meldet, hatte zuvor noch nie den Kontakt zu einem Arbeitsamt gesucht, berichtet Franz Josef Hahn, Projektleiter für den elektronischen Auftritt der Behörde.Und auch Arbeitslose, die ihr Stellengesuch im Internet registrieren lassen (anonym und kostenlos versteht sich), können darauf hoffen, schneller einen neuen Arbeitgeber zu finden als auf herkömmlichem Weg."Es wird wirklich alles nachgefragt", weiß Franz Josef Hahn aus den Computer-Auswertungen: "Auch Putzfrauen und Friseure."

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben