Zeitung Heute : Grinsblödeln

Sacha Verna

Mau Mau ist ein Spiel und jetzt auch ein Roman von Elke Naters, in dem aus dem Spiel ernst wird. Und das geht so: Fünf junge Leute verbringen zusammen einen Strandurlaub, spielen oft Mau Mau und fast so oft glücklich. Glücklich spielen sie vor allem dann, wenn jemand von ihnen eine Kamera zückt. Auf Kommando Klick wird gegrinst und geblödelt, was das Zeug hält, und wären Grinsen und Blödeln nicht so wahnsinnig anstrengend, würden die fünf jungen Leute auch nach dem Klick noch grinsen und blödeln.

Dass sie das meistens nicht tun, erfährt der Leser zunächst von Ida. Ida ist das fünfte Rad am Wagen, Susanne und Carsten, Mika und Frank bilden (scheinbar) Paare. Mika liefert anschließend ihre Version des Geschehens und das nicht mehr wirklich überraschende Ende, was der Struktur des Ganzen etwas leicht Asymmetrisches verleiht, aber eigentlich gut zur ohnehin schiefen Seelenlage der Urlaubsteilnehmer passt. Denn natürlich bleibt vom Gute-Laune-Terror sehr bald nur noch der Terror übrig, Ego-, Duo- und multipler Beziehungsterror. Elke Naters beherrscht den Sound der neudeutschen Prosa perfekt: kurze Sätze ohne ambitionierten Schnickschnack, eine Ironie nach dem Motto: Lach nie über deine eigenen Witze, aber produziere viele davon. Elke Naters jongliert mit den Klischees aus der Abteilung "Deutschland macht Ferien": Traurig, dass sich die schöne Susanne und Carsten nichts zu sagen haben, rührend, wie sich die Mika um den Unterdurchschnittstypen Frank kümmert, der sich trotz Herzfehler und Hypochondrie jeden Abend bewusstlos säuft.

Dumm nur, dass die Geschichte aufhört, wo sie erst interessant zu werden beginnt. Statt zu verraten, wie diese verzweifelten Fun-Freunde auf den Tod eines der ihren reagieren - Frank stirbt pikanterweise beim Geschlechtsakt -, findet Mika lediglich zu den sinnigen Schlussworten: "Ich fragte mich, ob sein Schwanz für immer steif blieb." Viel lieber möchte man doch wissen: Was passiert, wenn das Spiel tatsächlich aus ist? Was tun die kommunikationsgestörten Konsumjünger von heute, wenn sie realisieren, dass das Gestern für immer gestern und weg ist? Elke Naters beschränkt sich auf flottes Schreiben, polierte Innerlichkeiten und verkrampfte Sensibilität. "Mau Mau"? Lau, lau.

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