Zeitung Heute : Großbrand in der Berliner Philharmonie

Vor dem Feuer wurde am Dach geschweißt / Großer Konzertsaal kaum betroffen

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Berlin - Ein Feuer in der Berliner Philharmonie hat am Dienstag erhebliche Schäden im Dachstuhl des weltberühmten Konzertgebäudes angerichtet. Der offenbar durch Schweißarbeiten ausgelöste Brand entstand gegen 14 Uhr. Menschen kamen nicht zu Schaden. Um 18 Uhr 55 hatte die Feuerwehr den Brand unter Kontrolle. Am Abend sagte Einsatzleiter Harald Herweg, dass seine Leute vermutlich noch bis zum heutigen Mittwochvormittag letzte Glutnester bekämpfen müssen. 1600 Quadratmeter des Blechdaches wurden mit Sägen aufgeschnitten, damit die Flammen gelöscht werden konnten. Der Einsatz sei „schwierig und langwierig“, sagte Berlins Feuerwehrchef Wilfried Gräfling. Der Schaden sei erheblich, die Substanz des Gebäudes sei jedoch nicht beeinträchtigt, versicherte Gräfling. Durch die unter der Dachhaut gelegene Betondecke gelangten die Flammen nicht ins Innere der Philharmonie. Durch „sehr dosierten Löschwassereinsatz“ konnte der Schaden im Innern auf ein Minimum begrenzt werden, sagte Herweg. Innensenator Ehrhart Körting sagte am Brandort, dass „Berlins Wahrzeichen erhalten bleibt. Wir hatten Glück im Unglück.“

Im Großen Saal der Philharmonie lief am Abend nur an wenigen Stellen etwas Wasser aus der Decke, der Brandgeruch war erstaunlich gering. Sicherheitshalber wurde die Bestuhlung, die Technik und alle Archivräume von der Feuerwehr mit Plastikfolie abgedeckt. Intendantin Pamela Rosenberg sagte bei einer Besichtigung des Saals am Abend, dass am heutigen Mittwoch entschieden werden solle, wann und wie es weitergeht. Das nächste Konzert steht erst am Donnerstag auf dem Programm, am Wochenende soll dort dreimal Claudio Abbado dirigieren. Diese drei Konzerte müssen möglicherweise verlegt werden, sagte Rosenberg. Die für heute angesetzte Probe findet im Konzerthaus statt. Am Nachmittag war Intendantin Rosenberg angesichts der riesigen Rauchwolke noch von einer mehrwöchigem Sperrung des Saales ausgegangen.

170 Feuerwehrleute waren im Einsatz, giftig soll der Qualm nicht gewesen sei. Hunderte Schaulustige versammelten sich rund um die Absperrungen. Feuerwehrchef Gräfling sagte, dass bei Schweiß- oder Dachdeckerarbeiten sehr leicht Funken ein Feuer auslösen können, tückischerweise sind die ersten Flammen teilweise erst nach Stunden zu sehen. „Ein Funke in einer Fuge reicht.“ Die Feuerwehr setzte den Teleskopkran ein, um das Dach in 40 Meter Höhe zu erreichen. Diesen Spezialkran war nach dem Großbrand am Deutschen Dom am Gendarmenmarkt beschafft worden.

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