Zeitung Heute : GROSSE GELDVERNICHTER

NICK LEESON

Als Betrüger und Bankenruinierer ist er jetzt ein begehrter Interviewpartner. Und Nick Leeson wäre nicht Nick Leeson, wenn er daraus kein Geschäft machen würde: Wer am meisten zahlt, mit dem spricht er, teilte sein Agent mit. 1,4 Milliarden Euro setzte Leeson als Wertpapierhändler der britischen Bank Barings in den Sand – und riss so das Traditionsgeldinstitut in den Abgrund. Das war 1995. Leeson ist damals 26 Jahre jung, verdient 52 000 Pfund im Jahr, verantwortet Millionenbeträge, mit denen er in Singapur Termingeschäfte tätigt – zeitweise erwirtschaftet er rund zehn Prozent der Baring-Einnahmen. Leeson wettet auf den Nikkei-Index. Als im japanischen Kobe Anfang Januar 2005 die Erde bebt, bricht der asiatische Aktienmarkt ein – auf den aber hat Leeson hoch gewettet. Er macht gigantische Verluste, am Ende sind es mehr als eine Milliarde Euro. Bei Barings bleibt das zunächst unbemerkt. Im Februar haut Leeson ab. An seinem Computer hinterlässt er einen Zettel: „Es tut mir leid.“ Doch er wird geschnappt, in Singapur zu sechseinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Wegen einer Krebserkrankung kommt er vorzeitig raus. Heute lebt er in Irland, managt den Fußballclub Galway United. Auf Dinnerpartys ist er ein gern gesehener und gut bezahlter Redner.


YASUO HAMANAKA

Kupferfinger haben sie ihn genannt, und bevor der Fall Jérôme Kerviel bekannt wurde, war Yasuo Hamanaka Rekordhalter im Geldverzocken: In den 90ern bringt er seinen Arbeitgeber Sumitomo Trading um 1,8 Milliarden Euro. Hamanaka gilt als der Gott des internationalen Kupfergeschäfts, sein Wort kann Preise beeinflussen. Das nutzt er, um Sumitomo zu bereichern – und sich selbst. Er hortet Kupfer-Futures, redet die Preise hoch, verkauft dann. 1996 aber bleibt er auf offenen Kupfer-Positionen in Milliardenhöhe sitzen. Bei Sumitomo gerät man in Panik, stößt alles ab. Der Verlust erhöht sich noch um 800 Millionen. Hamanaka muss für zehn Jahre hinter Gitter.


JOHN RUSNAK

„Er ist nicht gerade ein Star unter den Händlern“, heißt es bei der Allied Irish Bank, als 2002 bekannt wird, dass ihr Mitarbeiter John Rusnak sie mit Spekulationen im Devisenhandel um 750 Millionen Dollar erleichtert hat. Fünf Jahre schafft es Rusnak, die Verluste durch falsche Buchungsdokumente zu verheimlichen, selbst die Wirtschaftsprüfer von Pricewaterhouse Coopers bemerken nichts. Später wird auf seinem PC ein Verzeichnis „fake docs“ (gefälschte Dokumente) gefunden. Als braver Familienvater und Kirchgänger beschreiben ihn seine Arbeitskollegen. Ein unauffälliger Typ, der versucht hat, am ganz großen Rad zu drehen.

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