Zeitung Heute : Großes Kino, made in Britain

"Little Voice" ist die Verfilmung eines Bühnenstücks, das 1992 in London mit rauschendem Erfolg uraufgeführt wurde.Geschrieben hatte Jim Cartwright es für die Schauspielerin Jane Horrocks, die ein sagenhaftes Talent zur Imitation besitzt, und zwar nicht nur zur verbalen, sondern auch zur gesanglichen.Für die Titelrolle im Film kam daher auch niemand außer ihr in Frage.Jane Horrocks, dem deutschen Publikum bisher allenfalls durch ihre Darstellung eines magersüchtigen Teenagers in Mike Leighs "Das Leben ist süß" (1991) bekannt, zählt in Großbritannien seit Jahren zur Film-, Fernseh- und Bühnenprominenz.

Die Hauptperson ist eine vollkommen verschüchterte junge Frau, die von ihrer Mutter Mari (Brenda Blethyn) "Little Voice" oder "LV" genannt wird, weil sie seit dem Tod ihres Vaters den Mund nicht mehr aufmacht.Mari selbst quasselt dafür ohne Punkt und Komma.Das Verhältnis zwischen ihr und ihrer Tochter ist durch ihre nachlässigen kleinen Grausamkeiten unwiderruflich beschädigt.Little Voice artikuliert sich überhaupt nur noch, wenn sie allein in ihrer Mansarde die großen Gesangslegenden von Marlene Dietrich über Shirley Bassey bis Judy Garland imitiert.

Eines Tages schleppt Mari Ray Say (Michael Caine) an, einen abgetakelten Agenten, der Morgenluft wittert, als er Little Voices Talent bemerkt.Gleichzeitig lernt die junge Frau Billy (Ewan MacGregor) kennen, der nicht weniger schüchtern ist als sie und sie als einziger um ihrer selbst Willen liebt.Für Little Voice steht die Entscheidung an, ob sie hinter der Imitation anderer verschwinden oder eine eigene Persönlichkeit werden will.

Für Drehbuch und Regie engagierte Elizabeth Karlsen, die unter anderem Neil Jordans "The Crying Game" (1992) produziert hat, den Nordengländer Mark Herman, dessen Erstling "Brassed Off" (dem deutschen Publikum erstmals im Panorama 1997 vorgestellt) eine ähnliche Mischung aus Humor, Tragödie und Musik darstellte wie "Little Voice".

Royal Palast, 12.Februar, 19 Uhr.
Atelier am Zoo, 13.Februar, 13 Uhr.
International, 21.Februar, 17 Uhr.

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