Zeitung Heute : GROSSSTADT-DRAMA

Oh Boy.

Kaspar Heinrich

Berlin mal ganz anders: melancholisch erzählt, schwarz-weiß und mit Jazzklängen unterlegt. Die Kamera begleitet Tom Schilling als Niko Fischer einen Tag lang durch die Stadt, wo er auf aggressive Kontrolleure trifft, auf schwäbelnde Coffeeshop-Verkäuferinnen und grantelnde Off-Theater-Regisseure. Nikos Beziehung ist gescheitert, das Studium hat er geschmissen, und nun will ihm auch der Anwalt-Vater kein Geld mehr überweisen. Regisseur Jan-Ole Gerster traut sich was in seinem ersten Spielfilm: formal und inhaltlich. Denn einen so schlurfigen Helden muss ein Film erst mal aushalten. „Oh Boy“ kann es, denn die Nebenfiguren sind sehenswert skurril, bei den Dialogen stimmt das Timing – und Tom Schilling nimmt man den vom Leben überforderten Slacker ab. Dazu gibt es noch das (herz)erwärmendste Happy End des Filmherbstes: eine Tasse Kaffee. Stimmig.Kaspar Heinrich

D 2012, 85 Min., R: Jan Ole Gerster, D: Tom Schilling, Marc Hosemann, Friedrike Kempter

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