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EnBW möchte Schulen in Baden-Württemberg bei der Energieeinsparung unterstützen und will die energetischen Sanierungskosten übernehmen

Heiko Schwarzburger

Seit der Liberalisierung des Energiemarktes wurden bislang eine Unmenge neuer Ideen freigesetzt, vom verstärkten Einsatz erneuerbarer Energieträger bis hin zum so genannten Energieeinsparcontracting. Damit lassen sich die Kosten für Heizwärme und Strom erheblich senken, vor allem bei den großen Gebäudebeständen, die die öffentliche Hand verwaltet.

Die Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) hat nun ein achtköpfiges Team gebildet, um speziell die Schulen im südwestlichen Bundesland bei der Energieeinsparung zu unterstützen. „Unsere Leute gehen in die Schulen und machen eine aufwändige energetische Bestandsaufnahme“, beschreibt Hans Lang, Leiter der Projektgruppe „Energieeffiziente Schule“ bei der EnBW.

„In Baden-Württemberg, wo wir hauptsächlich als Energieversorger tätig sind, stehen in den nächsten Jahren viele Schulen zur Sanierung an. Die Gebäude sind oft marode. Die notwendige Renovierung könnte man gut mit sich selbst tragenden Investitionen zur nachhaltigen Senkung des Energieverbrauchs verbinden.“

In den meisten alten Schulgebäuden ist die Beleuchtung unzureichend. Die Heizungs- und Lüftungssysteme entsprechen nicht modernen Standards. Von der fünften Unterrichtsstunde an ist die Luft in den Klassenräumen so schlecht, dass man nur noch das Fenster aufreißen kann. Die veraltete Heizanlage läuft unterdessen auf vollen Touren weiter.

„Wir schätzen, dass man den Energieverbrauch an einer Schule um bis zu dreißig Prozent wirtschaftlich vernünftig reduzieren kann“, schätzt Hans Lang. „Mehr wäre technisch möglich, rechnet sich aber nicht.“ Zunächst müsste die öffentliche Hand investieren, doch die Kassen sind auch in den reicheren Bundesländern des Südens leer. Die EnBW AG bietet den Schulen deshalb ein zeitgemäßes Finanzierungskonzept an: „Mit Hilfe des Einsparcontractings verrechnen wir die eingesparte Energie mit den erforderlichen Investitionen in moderne Gebäudetechnik“, erklärt Hans Lang. „Die Verträge laufen über zehn bis 15 Jahre. Das könnten die Gemeinden schwer aus eigener Tasche vorfinanzieren.“

Bei dieser Lesart des Contractings stattet EnBW die Schule je nach Bedarf mit neuen Kesseln, Gebäudeleittechnik oder Photovoltaik auf dem Dach aus. Rechnet man die dadurch eingesparten Energiekosten auf die Vertragslaufzeit hoch, kommt ein erkleckliches Sümmchen zusammen: „Wir rechnen damit, dass die energetische Sanierung einer Schule mit Turnhalle zunächst zwischen 800 000 und einer Million Euro kostet“, sagt Hans Lang. „Zum Beispiel durch eingebaute kleine Blockheizkraftwerke oder Solarthermie kann eine Schule sogar Strom oder Wärme selbst erzeugen. Bleibt unter dem Strich ein Energieüberschuss, kann dieser ins Netz eingespeist werden.“ So will EnBW demnächst in einer Modellschule in Stutensee-Blankenloch den Kessel austauschen und eine neue Heizung einbauen, die Lüftungsanlage in Stand setzen, die Turnhalle mit Wärmeschutz versehen, ein gasbetriebenes Blockheizkraftwerk installieren und rund 500 Quadratmeter Solarkollektoren auf das Schuldach und die Turnhalle setzen. Fünf Schulen in Baden-Württemberg wurden für das Projekt ausgewählt.

Die wirtschaftlich sinnvolle Einsparung von Energie liegt zwischen 23 und 31 Prozent. Bei einigen Schulen ließe sich vielleicht sogar der so genannte Drei-Liter-Standard erreichen: Sie kämen nach der Sanierung mit rechnerischen drei Litern Heizöl pro Quadratmeter und Jahr aus. Die Vergleichsgröße Heizöl sagt nichts über die tatsächlich verwendeten Energieformen aus. Doch nicht alle Wünsche lassen sich mit Einsparcontracting erfüllen: Technisch machbar sind zum Beispiel Energiesenkungen bis zu achtzig Prozent oder gar eine Nullenergieschule. Das ist aber ohne zusätzliche Fördermittel kaum zu schaffen.

Neben den technischen Um- und Einbauten will der Konzern gemeinsam mit den Schulen ein pädagogisches Begleitprogramm entwickeln, um das Thema Energie, Energieeinsparung oder erneuerbare Energie an die Kinder und Jugendlichen heranzutragen. Als erschwerend könnte sich in Zukunft das geltende Vergaberecht erweisen, das in Deutschland für die Kommunen gilt. „Wir haben von den Gemeinden zwar sehr gute Rückmeldungen erhalten, aber das nationale Vergaberecht muss sich noch weiter verändern“, fordert Hans Lang. „Die Schulen stehen jetzt zur Sanierung an. Wir haben jetzt die Chance, erhebliche Mengen an Energie und CO2 einzusparen. Unser Projekt zeigt: Ökonomie, Versorgungssicherheit und Ökologie lassen sich durch Energieeinsparcontracting in Einklang bringen.“

Bundesweit gibt es rund 18 000 Schulen. Legt man eine Energieeinsparung von etwa dreißig Prozent zugrunde, fallen mittelfristig rund vier Terrawattstunden pro Jahr weniger an. Kaum abzuschätzen ist der volkswirtschaftliche Gewinn, wenn dieses Modell sich durchsetzt – zum Beispiel bei den rund 12 000 Rathäusern in Deutschland, den 50 000 Kitas und den 6000 Gemeindezentren im Bundesgebiet – von unzähligen Turnhallen, Schwimmhallen oder Ministerialgebäuden. Auch fehlen für solche Ansätze ausreichende, spezielle Finanzierungsprogramme, etwa durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).

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