Zeitung Heute : Groth und die Millionen der Bankgesellschaft

Ralf Schönball

Der Rückzug der Bankgesellschaft Berlin aus einer gemeinsamen Gesellschaft mit Klaus Groth entwickelt sich zu einem Millionenpoker mit ungewissem Ausgang. Einsatz: über 18 Millionen Euro. Nur in einem Punkt sind sich die ehemaligen Partner einig: Die unglückliche Allianz soll ein knappes Jahr nach ihrem Zustandekommen wieder aufgelöst werden. Streit steht jedoch ins Haus, weil der Bauträger noch Ansprüche auf Millionen-Kredite von dem mit Steuergeldern alimentierten Konzern stellt. Das mehrheitlich in Landeseigentum stehende Geldhaus will dagegen nicht noch mehr Kapital riskieren. Notleidende Immobilien-Kredite und -Fonds hatten den Steuerzahler bereits im vergangenen Jahr gezwungen, zwei Milliarden Euro in das Institut zu pumpen. Die Bankenaffäre hatte einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss zur Folge, und dieser hatte auch die Kapitalspritze des Konzerns in die gemeinsame Groth-Holding untersucht.

Die Affäre um die Groth-Millionen begann Anfang vergangenen Jahres, kurz bevor die Bankenaffäre ihren Lauf nahm. Damals wollten die Immobilientöchter des Konzerns den Berliner Bauträger enger an sich binden. Gemeinsam gab man die Gründung der Gesellschaft "Groth-Holding" bekannt. Der hemdsärmlige Unternehmer verfügte über Anteile von 60 Prozent an dieser Gesellschaft, der Bankentochter GIB gehörten 40 Prozent. Und, um zu beweisen, wie ernst es die Beteiligten meinten, pumpte man reichlich Kapital in die neue Firma. Über 20 Millionen Euro. Nur, dieses Geld kam, von einem kleinen Anteil abgesehen, ausschließlich von der Bank. Dabei hätte der Bauträger als 60-prozentiger Gesellschafter den Löwenanteil der Millionen aufbringen müssen. Doch dies tat er nur auf Pump. Großzügiger Kreditgeber: die Bankgesellschaft Berlin.

Großzügig zeigte sich Groths neuer Partner nicht nur in diesem Punkt. Darüberhinaus erlaubte man dem verhandlungstüchtigen Baulöwen, jährlich rund 800 000 Euro aus der Kasse der gemeinsamen Gesellschaft herauszunehmen. Die Banker hatten wohl grenzenloses Vertrauen in das gemeinsame Unternehmen - obwohl bei Unterzeichnung des Vertrages kein nennenswertes größeres Bauvorhaben in dessen Auftragsbüchern stand. Schlecht für die Bankbilanz: Ohne Aufträge hätte ein jährlicher Griff Groths in die Kasse sowie die monatlich fälligen Mitarbeiter-Löhne zur Folge, dass das Kapital der gemeinsamen Gesellschaft Jahr für Jahr schmilzt - wie Schnee in der Sonne.

Der großzügige Umgang mit den Millionen des Landes Berlin sollte bei der Bank erst im Zuge der Affäre ein Ende finden. Und diese eskalierte im Frühsommer vergangenen Jahres zusehends. Im Juni geriet schließlich auch die mit Millionen gepolsterte Groth-Holding ins Augenmerk der Prüfer. Ein schonungsloser Bericht von Mitarbeitern der "Hausbank" von Klaus Groth - wie sich die Bankgesellschaft selbst bezeichnete - hielt fest: "Dass bereits Anfang 2002 erhebliche (...)-Probleme zu erwarten sind" - wenn der Bauträger nicht endlich neue Aufträge zur Beschäftigung seiner über hundert Mitarbeiter beschafft.

Kurios: Nur ein halbes Jahr zuvor hatte die Bank schier grenzenloses Vertrauen in die Groth-Gruppe gelegt - und deshalb Millionen für das gemeinsame Unternehmen riskiert. Sechs Monate später sahen Mitarbeiter desselben Geldhauses plötzlich dunkle Wolken über der Groth-Gruppe aufziehen. Außerdem hält der "interne Sachstandsbericht" fest, dass die "ursprünglich angedachte Zusammenarbeit mit der IBAG bei Projekten wie Berolinahaus, KPM-Gelände und Objekt Unter den Linden derzeit nicht realisierbar (ist), Projekte wie Messe Berlin, Köbis Dreieck und Kooperation mit der Bahn bisher sehr unkonkret" sind. Kurios in der Liste der erhofften Aufträge: die "Messe Berlin". Sie ist ein Bauprojekt, das das Land Berlin ausschreiben muss. Dass die Banker ihren Einstieg in die Groth-Gruppe mit der Aussicht auf auszuschreibende öffentliche Bauaufträge begründen, ist waghalsig. Denn der Ausgang einer Ausschreibung ist unter normalen Umständen äußerst ungewiss.

Eine geradezu unerschütterliche Gewissheit, dass Ausschreibungen zu Gunsten von Groth entschieden werden, hatte die Bank auch bei einem anderen öffentlichen Auftrag: der Errichtung der "Bibliothek für die Technische Universität/Hochschule der Künste". Zur Absicherung dieses "Auftragsgeschäfts des Landes Berlin" hatten die Banker bereits "Grundsatzzusagen für Bürgschaften" an die Groth-Gruppe erteilt. Groth bekam den Zuschlag, obwohl er bei der Ausschreibung keineswegs das billigste Angebot gemacht hatte. Die kuriose Vergabe war jedoch so angreifbar, dass das Kammergericht den Fall aufrollen musste.

Während sich die Hoffnungen auf die Erteilung öffentlicher Aufträgen zerschlugen, schmolzen die frischen Millionen in der gemeinsamen Gesellschaft allmählich dahin. Am 15. Juni 2001 trafen sich die ungleichen Partner beim Notar und ließen eine raffinierte "Änderungsvereinbarung zur Beteiligungsvereinbarung der Groth Holding" beurkunden. Wichtigster Inhalt aus Sicht der Bank: Bloß keine weiteren Millionen mehr in die Groth-Holding pumpen. Köder für Groth: Die Option, die Anteile der Bank zurückzukaufen. Der Preis ist heiß: Verhandlungssache. Und genau darüber droht der Streit ein halbes Jahr später, also dieser Tage, zu eskalieren.

Denn: Seine Option auf die Rücknahme der Firmenanteile von der Bank hat Klaus Groth im Dezember ausgeübt. Aber: bezahlt hat er nicht. Was er zahlen müsste? Die Bank hatte acht Millionen Euro in das gemeinsame Unternehmen gesteckt. Doch dieses Geld wird Groth nach Lage der Dinge nicht zurückzahlen müssen. Zudem hält der raffinierte Bauträger ein As in der Hand: die Kreditzusage der Bank über rund 10 Millionen Euro, von denen 6,5 Millionen noch nicht ausgezahlt sind. Wohlgemerkt: Mit diesem Geld sollte Groth seine Einlage in die gemeinsame Gesellschaft bezahlen. Nun könnte er damit stattdessen die Anteile der Bank zurückkaufen - und wäre alleiniger Eigentümer der Gesellschaft.

Dass die Partnerschaft aufgekündigt ist, dürften die Heerscharen von Rechtsanwälten der Groth-Gruppe nicht beeindrucken. Verträge sind Verträge, die Kreditzusage ist erteilt, also besteht ein Rechtsanspruch auf das Geld. Also wird die Bank die zusätzlichen Millionen-Kredite wohl auszahlen müssen - obwohl sie dies verhindern will.

Während hinter den Kulissen der riskante Poker in vollem Gange ist, stoßen Anfragen auf eine Mauer des Schweigens. Sowohl die Bankgesellschaft als auch das Tochterunternehmen IBAG wollen mit dem Verweis auf Bankgeheimnis und Kundenschutz kein Wort sagen. Groth ließ eine kurze Nachricht faxen, wonach "das Rückkaufs- und Bewertungsverfahren für die Geschäftsanteile noch nicht abgeschlossen ist und es sich insofern um ein laufendes Verfahren handelt." Für den Steuerzahler, der im vergangen Jahr mit 1,8 Milliarden Euro von "seiner" Bank zur Kasse gebeten wurde, bedeutet dies folgendes: knapp 20 Millionen Euro sind im Spiel, wie viel davon verloren sind, hängt vom Verhandlungsgeschick der Banker ab.

Groth, so munkeln seine Vertrauten, sei durchaus an einer einvernehmlichen Scheidung der kurzen Ehe gelegen. Sollten sich die Fronten jedoch verhärten, dann sehen Insider schwarz: So, wie die Verträge gestaltet sind, sei es ausgeschlossen, dass die Banker vom Alexanderplatz alle ihre Millionen zurückbekommen.

Der Umbau des Groth-Imperiums und seine Altlasten

Klaus Groth hat ein Imperium aus rechtlich jeweils eigenständigen Unternehmen aufgebaut. Der wichtigste Schachzug bei der Neuordnung seiner Geschäfte erfolgte in den vergangenen zwei Jahren: Die Gründung einer weiteren, neuen Gesellschaft ohne finanzielle Lasten aus vergangenen Bauprojekten. In diese so genannte "Groth-Gruppe neu" flossen die Millionen der Bankgesellschaft. Auch die über 100 Mitarbeiter von Klaus Groth wechselten in diese neue Gesellschaft. Um die nach internen Bankunterlagen "hohen Lohn- und Sachkosten" bezahlen zu können, kann der Baulöwe Bank-Millionen einsetzen. Dieser Kapitalspritze des mehrheitlich landeseigenen Geldhauses verdankt Klaus Groth nicht zuletzt die bankinterne Einschätzung über die Lage seiner neuen Gesellschaft: "gegenwärtig gute Kapitalausstattung."

Anders steht es um die von Groth in die "Allora-Gruppe" ausgegliederten, teilweise nicht abgeschlossenen Immobilienprojekte der Vergangenheit. Für die Allora-Gruppe mussten Groth und seine Mitgesellschafter bereits 1999 "hohe Pflichteinlagen" aufbringen. Anders ausgedrückt: Die Unternehmer setzten ihr in besseren Zeiten angesammeltes Privatvermögen wieder ein, um den Kapitalhunger der Gesellschaft zu stillen. Den Banken reichte dies nicht aus. Für die Risiken verlangten sie "Zusatzsicherheiten". Dem hatte Klaus Groth bankinternen Unterlagen vom Juni 2001 zufolge zunächst zugestimmt und dem Haus am Alexanderplatz seine Privatinsel "Mustique" überlassen wollen. Doch die zugesagte Abtretung der Ansprüche auf den Erlös beim Verkauf des traumhaften Anwesens soll Groth später wieder in Frage gestellt haben. ball

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