Grundschule der Künste an der UdK Berlin : Lernen, von und mit Kindern

Ganz viele Bilder: An der neuen Grundschule der Künste der UdK Berlin lernen künftige Musik- und Kunstlehrer von und mit den Kindern.

Torsten Schaletzke
Experimentierfreudig. Siebenjährige probieren Licht und Schatten aus.
Experimentierfreudig. Siebenjährige probieren Licht und Schatten aus.Foto: Miriam Christof

Die Ateliertür öffnet sich und gibt den Blick frei auf ein quadratisches Feld voller kniehoher roter Pilze. Neugierig stürmen die 23 Schülerinnen und Schüler los, Rosa und Atakan erreichen die Skulptur zuerst. Staunend betrachten sie das ungewöhnliche Ding, mustern es respektvoll von allen Seiten. „Die Pilze sind aus Wachs“, erkennt Atakan und Rosa ruft: „Aus Wachs und aus Holz!“ Als Gäste der Klasse von Professor Johan Lorbeer werden die Schüler der Kreuzberger Hunsrück-Grundschule für einen Vormittag Teil des Arbeits- und Lebensraums der jungen UdK-Künstler.

Der Besuch ist ein Projekt, das im Rahmen der Grundschule der Künste stattfindet, die im April dieses Jahres ihre Arbeit unter dem Dach der UdK aufgenommen hat. „Die Grundschule der Künste ist ein innovativer Bildungs- und Lernort zwischen Schule und Hochschule“, erklärt Kirsten Winderlich, die das Konzept entwickelt hat. Die Lehramtsstudenten der Kunst und Musik an der UdK Berlin können hier genauso wie die Studenten der Grundschulpädagogik der HU und FU gemeinsam mit Kindern und deren Lehrern entdecken und erforschen, wie Bildung durch die Künste gelingen kann. Während die Schüler an die Künste und die Künstler herangeführt werden, öffnen sich den Studenten neue Möglichkeiten: Sie können ästhetische und künstlerische Bildungspraxis mit Schülern entwickeln und auch gleich erproben.

Genau das ist das Ziel von Kirsten Winderlich, die sich als verantwortliche Professorin die Verzahnung von Studium, Forschung, schulischer Bildungspraxis und Weiterbildung in der künstlerischen Lehrerbildung zum Ziel gesetzt hat. Eine besondere Rolle spielt dabei der „Raum als Lehrer“, er soll vielfältige ästhetische Bildungsimpulse geben. Daher flanieren Rosa, Atakan und ihre Mitschüler durch die Klasse von Professor Lorbeer und erkunden zunächst die beiden großzügigen, lichtdurchfluteten Atelierräume. Sie entdecken Staffeleien, Leinwände, Gipsskulpturen und vielfältige Arbeitsmaterialien – und mittendrin 15 Kunststudenten. Im hinteren Atelierraum stößt der siebenjährige Toni erstaunt auf eine hängende Giraffenfigur: „Wenn man an ihrem Schwanz zieht, bewegt sie sich.“ Im vorderen Raum interessiert sich Cleo für eine Empore, die als Bilderdepot dient.

In der Grundschule der Künste kommen die Studenten frühzeitig mit den Kindern in Kontakt, und dies in ihrem direkten künstlerischen Umfeld, jenseits der Zwänge des Schulalltags.

„Die Begegnung mit den Schülern bei uns im Atelier ist eine einmalige Gelegenheit des Sich-Einlassens auf die Weltzugänge der Kinder, ohne dabei die eigene Kunst aus den Augen zu verlieren“, resümiert Henrike Alsleben. Sie steht kurz vor dem Abschluss ihres Bachelor-Studiums. Ein anschließendes lehramtsbezogenes Masterstudium ist fest geplant. „Es ist wichtig, schon früh mit den Schülern zu arbeiten und die eigene Berufswahl überprüfen zu können. Hier bekomme ich wichtige Impulse für meinen späteren Beruf als Kunstlehrerin.“ Für den Präsidenten der UdK Martin Rennert ist die Ausbildung von sowohl pädagogisch als auch künstlerisch hervorragend qualifizierten Fachlehrern essenziell: „Mit der Grundschule der Künste haben wir einen besonderen Ort geschaffen, der Kindern unabhängig von ihrer sozialen und kulturellen Herkunft eine Teilhabe an der Welt der Künste ermöglicht.“

Künftig wird die Grundschule der Künste wandern. Geplant sind Besuche in Werkstätten, Studios und weiteren Ateliers. Außerdem soll es eine Schriftenreihe geben, die die ästhetische und künstlerische Schulpraxis als Anregung für die Lehrer dokumentiert. „Damit können die gemeinsam gewonnenen Erkenntnisse in die Schule zurückfließen und zur notwendigen Schulentwicklung durch die Künste beitragen“, sagt Winderlich.

Für die Klasse der Hunsrück-Grundschule ist der Atelierbesuch ein nachhaltiges Bildungsereignis. Die Frage nach ihren Erlebnissen lockt auch vier Wochen später viele lebendige Erinnerungen hervor: „Da waren ganz viele Erfindungen aus der ganzen Welt und ganz viele Bilder“, fasst der siebenjährige Toni zusammen.

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