Zeitung Heute : Grundstein in Heiligendamm - "Weiße Stadt" als Nummer eins der Resort-Hotels

Klaus Rebuschat

Heiligendamm, das älteste deutsche Seebad, soll schöner und luxuriöser denn je werden. Am 27. Mai wird der Grundstein für die Sanierung der heruntergekommenen "weißen Stadt" am Ostseestrand zwischen Kühlungsborn und Rostock gelegt. Binnen zwei Jahren sollen an der landschaftlich reizvollen mecklenburgischen Ostseebucht dann fünf Hotel-Sterne erstrahlen und Heiligendamm nach den Vorstellungen der Investoren zur nobelsten Ferienadresse der Republik machen.

"Die Arbeiten an unserem künftigen Grand Hotel beginnen bereits vor dem symbolischen Baustart", sagt der Generalbevollmächtigte der Fundus-Fonds Verwaltung GmbH, Ottmar Braun. Bauarbeiter werden schon Tage vorher das erste Gebäude im Zentrum Heiligendamms verhüllen: Das Entkernen des Hauses, das wie fünf weitere in der Nachbarschaft zum künftigen Hotel der Luxusklasse umgestaltet wird, soll ganz behutsam erfolgen.

Mit dem Sanierungsbeginn geht für die Kölner Fundus-Gruppe "nun endlich eine mehrjährige Wartezeit zu Ende", sagt Braun. Vor gut drei Jahren hatte Fundus von der Treuhand den Ort mit seinen 26 klassizistischen Gebäuden gekauft, um das 1793 gegründete Seebad zur Nummer eins der deutschen Resort-Hotels zu machen.

Die Vision von Fundus-Chef Anno August Jagdfeld von diesem Projekt, mit dem Meer, Park und ein in Deutschland einzigartiges Gebäudeensemble zu einem Gesamtkunstwerk verschmolzen werden sollen, schien zunächst jedoch an der Finanzierung zu scheitern: Für den Fundus Fonds 34, der den größten Teil der für das Hotel benötigten rund 300 Millionen Mark erbringen sollte, fanden sich zu wenig Anleger. Danach aber hatte Fundus das Konzept korrigiert, erinnert sich Braun: "Durch private und institutionelle Anleger haben wir 250 Millionen zusammen, weitere 50 Millionen kommen von EU, Bund und dem Land Mecklenburg-Vorpommern - nun kann der Bau starten."

"Es hat weh getan."

Einheimische und Freunde Heiligendamms, die jahrelang unter dem fortschreitenden Verfall der leerstehenden Häuser litten, nehmen solche Ankündigungen erwartungsvoll auf. "Es hat weh getan, Heiligendamm in diesem Zustand zu sehen", meint Wilrun Wagner aus Sachsen, die seit 1971 regelmäßig zur Kur in das Seebad kommt. Die 62-Jährige begutachtete Sanierungspläne und Einrichtungsideen für das künftige Hotel bei ihrem jüngsten Besuch so intensiv, als wollte auch sie demnächst dort Urlaub machen. "Ach was, ich doch nicht", sagt die Patientin der benachbarten Klinik lachend. "Ich würde mich schon freuen, wenn diese Perle endlich wieder richtig glänzt."

Fundus-Chef Jagdfeld kann schon ziemlich genau beschreiben, wer sich in Heiligendamm künftig erholen wird. Das Seebad mit seinem Grand Hotel, den später zu restaurierenden Strandvillen und dem neu zu bauenden Quartier Gartenstadt werde ein Domizil für die Spitzen der Gesellschaft. "Die Weiße Stadt am Meer soll wieder zu dem erwachen, was sie einst war", hatte Jagdfeld in der Vergangenheit oft erklärt: Zum Ganzjahres-Treffpunkt der Prominenz, der in Heiligendamm jedes Freizeitvergnügen - außer Bergsteigen und Skifahren - geboten werde. Heiligendamm wird zudem "das Seebad Berlins", ist sich Jagdfeld sicher: Der kleine Ort bei Bad Doberan erhalte damit "den gleichen Stellenwert, den Knokke für Brüssel oder Deauville für Paris haben".

Wie Heiligendamm-Fan Wilrun Wagner kann auch Landrat Thomas Leuchert gut damit leben, dass der Badeort nahe der Kreisstadt künftig derart herausgehoben werden soll. Für den Normalbürger sei das zwar eine andere Welt, "aber auch ein ganz neues Segment im Tourismus, das in Deutschland bisher brach liegt". Vom neuen Glanz am Heiligen Damm werde auch die Region profitieren, meint Leuchert. Und das nicht nur wegen der zu erwartenden 500 Arbeitsplätze.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben