Zeitung Heute : Günstig abzugeben

Corinna Visser

Die Gläubigerbanken von Karstadt-Quelle flüchten aus ihren Kreditengagements. Was wären denkbare Folgen für den angeschlagenen Handelskonzern, wenn auch andere Banken sich zurückziehen würden?

2004 hat sich Karstadt-Quelle nach schwierigen Verhandlungen mit den Gläubigerbanken über ein Sanierungskonzept und die Finanzierung des Konzerns für drei Jahre geeinigt. Jetzt haben einige der 16 Banken aus dem Konsortium begonnen, ihre Karstadt-Kredite an andere Banken zu verkaufen. Ein in der Branche durchaus üblicher Vorgang. Die verkaufende Bank nimmt dadurch Risiken aus ihrem Portfolio heraus, muss den Kredit dafür aber mit einem Abschlag verkaufen.

Das ist ein Geschäft, das das kreditnehmende Unternehmen – in diesem Fall Karstadt – nicht unmittelbar betrifft. Der Kredit läuft weiter. Künftig hat Karstadt nicht mehr mit der Landesbank Baden-Württemberg, der West LB, der Helaba oder der Hypo-Vereinsbank zu tun, die ihre Forderungen jetzt ganz oder teilweise verkauft haben sollen, sondern mit dem Käufer, Goldman Sachs. Goldman Sachs wiederum behält einen Teil der Forderungen, gibt einen anderen an Pensionsfonds und institutionelle Investoren ab. „Für uns ist das beruhigend“, sagte ein Sprecher von Karstadt-Quelle. „Das zeigt, dass es um langfristig interessierte Investoren geht, die eine hohe Rendite erwarten.“ Weder die Sanierungs sei dadurch in irgendeiner Weise betroffen, noch der bestehende Kredit im Volumen von 1,75 Milliarden Euro, der bis Ende 2007 läuft.

Die Börsianer sahen das anders und stießen ihre Aktien ab. Sie werteten die Kreditverkäufe als mangelndes Vertrauen der Banken in die Sanierungsfähigkeit des Konzerns – schließlich glauben die offenbar, sogar mit einem verbilligten Verkauf der Kredite mehr Geld verdienen zu können als mit der Sanierung des Konzerns. Die Furcht der Aktionäre: Wenn Karstadt-Quelle 2007 neue Kredite braucht, stehen die jetzt abgesprungenen Banken nicht mehr zur Verfügung. In der Folge könnte dem Konzern die Insolvenz drohen, weil ihm die nötige Liqidität für operative Zwecke fehlt.

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