Zeitung Heute : Gute Aussichten

Nachträgliche Balkonanbauten steigern das Lebensgefühl und den Wohnwert

Veronika Csizi
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Raum im Freien. Bei nachträglichen Balkonanbauten und bei Sanierungen werden zumeist Konstruktionen aus Stahl oder aus Aluminium...

Die Balkonsaison hat begonnen. Im Sommer bedeutet dies: Ein Zimmer mehr, Frühstück in frischer Luft, Tomaten ziehen, Kräuter kultivieren, relaxen, Sonne tanken, Gäste bewirten. Mit ein wenig Glück und Geschick gedeihen selbst Obstbäume in großen Kübeln im vierten oder fünften Stock. Doch der Balkon erhöht nicht nur den Wohnkomfort, er sorgt auch für Wirtschaftlichkeit.

Wohnungen ohne das Freiluftzimmer lassen sich heute deutlich schwerer vermieten oder verkaufen. Mehr noch: Für manchen Wohnungssuchenden ist der Balkon ein entscheidendes Kriterium bei der Suche nach einer neuen Bleibe. In einer Umfrage platzierten 93 Prozent von mehr als 2000 befragten Maklern den Balkon in einer Liste wichtiger Kaufkriterien auf Platz eins – mit deutlichem Abstand vor der Garage und dem Gäste-WC.

Doch vor allem in Altbauten und innerstädtischen Quartieren fehlt der Balkon häufig ganz – oder er ist zu klein oder schlicht unattraktiv. Doch Abhilfe ist in vielen Fällen möglich: Durch einen nachträglichen Balkonanbau lässt sich der Wert einer Gebrauchtimmobilie deutlich steigen. Es gibt viele Varianten: Abgehängte Holzbalkone oder solche auf Säulen, ein- oder mehrstöckige Konstruktionen und selbsttragende Vorstellbalkone aus Stahl. Da Balkone ganz unterschiedlich gestaltet werden können, sollten Bauherren sich zunächst darüber Gedanken machen, welchem Zweck der Balkon dienen soll. Die Abmessungen sind schließlich der Dreh- und Angelpunkt: Bei größeren Balkontiefen bzw. falls eine Verankerung im Mauerwerk nicht möglich ist, muss die Konstruktion auf Stützen stehen.

Bevor der neue Freisitz Wirklichkeit werden kann, sind einige bürokratische und rechtliche Hürden zu überwinden. Zunächst muss der Bauherr die Zustimmung der Eigentümergemeinschaft einholen, und zwar auch dann, wenn er der einzige Eigentümer ist, der einen Balkon anbauen möchte. „In einer Wohnungseigentümergemeinschaft ist die Fassade heilig: Jede – auch nur optische – Veränderung ist eine bauliche Veränderung“, warnt Ulrich Löhlein, Rechtsanwalt beim Immobilienverband Deutschland (IVD) in Berlin. Auch Befestigungen am Geländer sind problematisch: „Im Lack entstehen leicht Kratzer. Diese führen durch Rostbildung zu einer Beschädigung des Gemeinschaftseigentums.“

Zuvor ist also in jedem Falle eine – kostenlose – Voranfrage beim Bauamt ratsam. Denn hier lässt sich schnell klären, wie die rechtlichen Grundlagen und Rahmenbedingungen sind, welche Einschränkungen oder Bedingungen von der Behörde zu erwarten sind. Vor allem im innerstädtischen Bereich oder bei denkmalgeschützten Wohnhäusern ist mit konkreten Auflagen zu rechnen, etwa bei der Wahl der Konstruktion oder des Geländers. Zudem müssen auch nach dem Anbau die notwendigen Abstandsflächen zu benachbarten Häusern eingehalten werden, was möglicherweise die Balkongröße einschränkt. Bisweilen ist auch die Zustimmung der Nachbarn nötig. Erlaubt die Behörde nur eine Balkontiefe von weniger als 1,60 Meter, so sollte der geplante Anbau überdacht werden, raten Architekten. Denn Sitzmöbel und ein Tisch lassen sich unterhalb dieser Größe nicht mehr sinnvoll aufstellen. Günstiger wird es in jedem Fall, wenn eine Hausgemeinschaft gleich mehrere Balkone in Auftrag gibt. Für eine Stahlkonstruktion mittlerer Qualität rechnen Architekten mit Kosten von etwa 12 000 Euro pro Stück. Sind alle rechtlichen Fragen und die Finanzierung geklärt, kann der Bauherr oder die Hauseigentümergemeinschaft entscheiden, ob er bzw. sie eine Systembau-Firma beauftragt oder die Arbeiten vom einem Architekten planen und organisieren lässt. Doch Vorsicht: Firmen, die Gesamtpakete mit allen beteiligten Gewerken von der Statik bis zum Maler anbieten, arbeiten mit zum Teil erheblichen Preisunterschieden.

In der Regel werden Konstruktionen aus verzinktem Stahl oder aus Aluminium verwendet. Zu Holz raten die meisten Architekten nur, wenn der Anbau an ein Holz- oder Fachwerkhaus gesetzt wird. Wichtig ist in jedem Fall, dass das Regenwasser über eine Regenrinne oder ein Abflussrohr abgeleitet wird. Auch eine Schalldämmung empfehlen Hersteller und Architekten, damit nicht jedes Stühlerücken den Nachbarn aufschreckt. Sonst ist es mit der Ruhe in Balkonien schnell vorbei.

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