Zeitung Heute : Gute Performance zu stolzem Preis

MAURICE SHAHD

Die Com.Box GmbH war einer der ersten Anbieter von Internet-Zugängen in Berlin.Als lokaler PoP (Point of Presence) vertreibt die Com.Box den Internet-Anschluß des international agierenden Netzbetreibers Nacamar.Doch die Wurzeln des Unternehmens liegen bereits in den achtziger Jahren, als die Idee entstand, einen Service für Journalisten aufzubauen."Unser Presserechenzentrum übernimmt die Kommunikation zwischen den Korrespondenten und den Redaktionen.Die Texte und Fotos der in aller Welt sitzenden Journalisten werden von uns für das jeweilige Redaktionssystem aufbereitet", erläutert Lutz Treutler, Geschäftsführer der Com.Box.Inzwischen ist das Angebot von Internet-Dienstleistungen zu einem ebenso wichtigen Geschäftsfeld geworden.Hauptzielgruppe des Providers sind mittelständische Unternehmen.Durch die ursprüngliche Ausrichtung des Unternehmens gehören viele Firmen aus der Medienbranche zu den Kunden der Com.Box, darunter auch der Tagesspiegel oder die tageszeitung.Doch Treutler betont: "Wir sehen es als unsere Verpflichtung an, auch den Berliner Privatkunden vernünftige Einzelplatzzugänge bereitzustellen."

Mit pauschal 39 Mark pro Monat handelt es sich dabei um ein recht teures Angebot.Geschäftführer Treutler begründet den hohen Preis mit der guten Qualität des Internet-Zugangs: "Wir wollen die Profis für die Profis sein.Wir bieten einen unbeschränkten Zugang und verfügen mit Nacamar über einen hochqualitativen Netzwerkpartner." Zudem gebe es keine Einschränkungen bei der Nutzung des Internet-Anschlusses.Der Zugang könne auch gewerblich genutzt werden, wovon viele Kunden Gebrauch machen.



Nacamar ist einer der führenden Anbieter von Internet-Dienstleistungen in Europa, der über mehr als 500 Vertriebsstützpunkte in 18 Ländern verfügt.Allein in Deutschland zählt Nacamar nach eigenen Angaben rund 750 000 Kunden.Darunter namhafte Unternehmen wie Lufthansa, Opel oder Neckermann.Als einer der ersten Internet Service Provider hat Nacamar die bundesweite Einwahl über eine 01801-Nummer realisiert.Das heißt, die Kunden von Nacamar können sich von jedem Ort in der Bundesrepublik zum Ortstarif ins Internet einwählen.Kunden der Com.Box profitieren davon jedoch nicht.Sie müssen einen neuen Vertrag mit Nacamar abschließen, zahlen erneut eine Einrichtungsgebühr in Höhe von 30 Mark und erhalten eine neue E-Mail-Adresse.Nacamar bietet seinen Kunden übrigens auch internationale Einwahlmöglichkeiten, was vor allem für Geschäftskunden interessant ist.Beim Wechsel vom Com.Box-Account zu Nacamar wird der Kunde vom Berliner PoP natürlich unterstützt, so daß beim Wechsel vor allem die Änderung von E-Mail-Adresse und der Adresse des eigenen Web-Angebotes ärgerlich ist.Für viele Firmen mit ihren diversen Online-Zugängen ist es überdies eher von Vorteil, einen Provider vor Ort als Ansprechpartner zu haben.



Zum Test: Die Einrichtung des Zugangs verlief ohne Probleme.Eine CD-ROM mit automatischer Konfiguration und zusätzlichen Hinweisen kostet 15 Mark.Auf der Website des Providers gibt es die Konfigurationshinweise kostenlos.Allerdings wird nur die Einrichtung der Internet-Programme von Microsoft näher erläutert.Online-Hilfen für den Netscape Navigator fehlen.Dafür hilft der Kurs "Einführung in das Internet" Einsteigern bei den ersten Schritten im Netz.Die "Download-Area" ist besonders für Windows-95-Anwendungen eher mäßig bestückt.Leider ist der Service-Bereich auf der Homepage etwas schwer zu finden.

Der Bereich Medien.Netz enthält eine gute Linksammlung zu nationalen und internationalen Medienangeboten, insbesondere aus dem Printbereich.Die Hotline ist werktags bis 19 Uhr besetzt und auch am Wochenende kann mit professioneller Hilfe gerechnet werden.Im Geschwindigkeitstest macht der Zugang der Com.Box eine gute Figur.Analog wurde bei der Übertragung der Testdatei (486 Kilobyte) eine durchschnittliche maximale Übertragungsrate in Höhe von 3,6 Kilobyte pro Sekunde erreicht.Dabei fiel die große Schwankungsbreite der Werte auf, die zwischen 2,5 und 4,5 Kilobyte pro Sekunde lag.Per ISDN lag das durchschnittliche Maximum bei ordentlichen 5,2 Kilobyte pro Sekunde.



Die Com.Box ist ein auf Geschäftskunden spezialisierter Provider, der aber auch für den ambitionierten Privatkunden interessant ist.Für 39 Mark pro Monat bekommt der Kunde einen recht schnellen Zugang.Im Preis enthalten sind üppige fünf Megabyte Speicherplatz für die eigene Homepage, die im Gegensatz zu manch anderem Provider durchaus gewerblichen Charakter haben kann.Insbesondere aufgrund des hohen Preises und leichten Abstrichen beim Service erhält der Provider die Note "befriedigend".

Bisher in der Serie "Der große Providertest" erschienen: 10.Cityweb - Highspeed per ISDN; 9.IN-Berlin - Ohne kommerzielle Hintergedanken; 8.Okay.Net - Der Ortstarif kommt zum Jahresende; 7.BusinessOnline - Zahlreiche Kompromisse bei günstigem Preis; 6.TCP/IP - Ein hoher Preis für gute Übertragungsraten; 5.Transmedia - Endlos surfen ohne Grundgebühr; 4.Interactive Networx - Sprung auf die nationale Bühne geplant; 3.Ginko - Viel Zeit für wenig Geld kaufen; 2.Sireco - Gutes Angebot mit kleinen Haken, die teuer werden können; 1.Trionet - Das Internet wird zum Massenmedium.

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