Gute Vorsätze : Diesmal nicht!

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Stark am Glas: Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.
Stark am Glas: Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.Foto: Tagesspiegel

Keine Vorsätze, in diesem Jahr mal keine Vorsätze. Sind ja eh nur Schimären und schon vor Morgengrauen an Neujahr gebrochen. Aber das ist doch auch ein Vorsatz, keine Vorsätze zu fassen. Ach, man kommt nicht raus aus all den Prophezeiungen für das neue Jahr, auch diesmal nicht. Diesmal schon gar nicht, weil für 2012 die finale Prophezeiung ansteht, buchstäblich die letzte Vorschau. Danach, nach dem 21. Dezember, wird bekanntlich nichts mehr sein, keine Finanzkrise mehr, kein Zank in der arabischen Welt, kein Kim Jong Un, obwohl der noch so jung ist, aber auch kein Fußball mehr und keine Lieder. Nichts, nada, niente – der Weltuntergang. Oder ist auch der nicht mehr verlässlich? Natürlich nicht, sagt ein Bernd Harder, der als Esoterik-Experte ausgewiesen ist und den Weltuntergangskalender der Maya anders interpretiert, irgendwie lebensfroher. Demnach endet die Zählung des Kalenders wohl an diesem Tag. Aber am darauffolgenden fangen wir einfach von vorne an zu zählen. Und die Esoteriker werden verzweifelt und vergeblich auf die apokalyptischen Pferde warten, beschwörend, verschwört.

Ist ja nur ein Wimpernschlag oder eine Pendelschwingung von der Esoterik zur Verschwörungstheorie. Insofern passt Hugo Chávez gut hinein in die Jahresendzeitstimmung. Der venezolanische Präsident hat sich mal umgeschaut auf seinem lateinamerikanischen Kontinent und Bemerkenswertes, irgendwie Tragisches festgestellt. Krebs! Er selber wurde kürzlich gegen Krebs behandelt, Argentiniens Cristina Kirchner nun auch, wie zuvor schon Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff, Paraguays Präsident Fernando Lugo, Rousseffs Vorgänger Luiz Inácio Lula da Silva. Da ist kein gewöhnlicher Krebs am Werk, sondern ein imperialistischer Krebs, mutmaßlich, so Chávez, losgelassen von den imperialen Kräften der USA. „Wäre es so seltsam, wenn sie eine Technologie entwickelt hätten, um Krebs zu verursachen, ohne dass jemand es weiß?“, fragt Chávez. Diese geheimnisvolle Technologie ist natürlich längst bekannt unter so geheimnisvollen Namen wie Marlboro, Lucky Strike oder Camel.

Womit wir mit dieser schönen Enthüllung der imperialistischen Machenschaften wieder bei den Vorsätzen angekommen sind. Keine Vorsätze, in diesem Jahr mal keine Vorsätze. Vielleicht klappt es ja dann. Helmut Schümann

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