Zeitung Heute : Gutes Angebot mit kleinen Haken, die teuer werden können

MAURICE SHAHD

"Sireco - Der Power-Provider" Mit diesen markigen Worten wirbt der Internet-Zugangs-Provider, den wir in dieser Woche unter die Lupe nehmen.Wichtigstes Marktsegment der Sireco Internet Services GmbH sind gewerbliche Kunden.Sireco wurde 1996 mit vier Mitarbeitern gegründet und hat seinen Sitz in Tempelhof.Heute beschäftigt das Unternehmen 17 Mitarbeiter.Für 1998 peilt der kräftig wachsende Internet-Dienstleister eine Steigerung des Umsatzes von 550 000 auf zwei Millionen Mark an.Sireco zählt 1600 private und 300 gewerbliche Kunden.

Sireco bietet Privatkunden den Einstieg ins Internet ab fünf Mark pro Monat an, was aber nicht heißt, daß der Dienst billig ist.Beim sogenannten Einsteiger-Tarif zahlt der Kunde bei einem monatlichen Grundpreis in Höhe von fünf Mark zusätzlich 1,56 Mark pro Stunde Onlinezeit.Beim Surfer-Tarif bezahlt der Kunde eine Grundgebühr in Höhe von zehn Mark und 84 Pfennig pro Stunde.In beiden Tarifen ist monatlich eine Freistunde, eine E-Mail-Adresse und ein Megabyte Speicherplatz für die private Homepage enthalten.Der Haken: Die günstigen Stundentarife gelten nur in der Zeit zwischen 18 Uhr abends und acht Uhr morgens sowie am Wochenende.Werktags werden happige 3,84 Mark pro Stunde berechnet.Für Sireco-Kunden, die das Internet intensiv und auch mal während der Woche tagsüber nutzen wollen, wird der Dienst damit schnell recht teuer."Unsere Tarife sind fair, da neben dem geringen Grundpreis nur die tatsächliche Onlinezeit abgerechnet wird - und das sekundengenau", verteidigt Vertriebsleiter Albrecht Schmieg das Tarifkonzept.Zudem vermeide ein Provider auf diese Weise Probleme mit Maximalnutzern, die beispielsweise grafisch sehr aufwendige Spiele über das Internet spielen und so die Datenleitungen verstopfen.

Eine Besonderheit bei Sireco ist der große News-Server, der rund 40 000 Newsgroups enthält.Im Geschwindigkeitstest weist Sireco ordentliche Werte auf.Der Download der 486 Kilobyte großen Testdatei dauerte in der Regel gute zwei Minuten bei einer maximalen Übertragungsrate von 4,1 Kilobit pro Sekunde (Kbps), die aber nur einmal erreicht wurde.Die durchschnittliche maximale Übertragungsrate lag bei 2,7 Kbps.Der Download per ISDN dauerte meist eine gute Minute mit maximal 6,0 Kbps und einem Durchschnitt von 4,9 Kbps.Die Einrichtung des analogen Zugangs verlief ohne Probleme.Bei der Einrichtung des ISDN-Zugangs half die Hotline kompetent weiter, sie ist jedoch nur zwischen 10 und 17 Uhr zu erreichen.Dabei wurde dem Tester freundlich aber bestimmt nahegelegt, den Proxy zu benutzen, was "nur Vorteile hat".Das ist nur bedingt richtig.Wird beim Browser der Proxy aktiviert, surft der User meist schneller, da viel genutzte Internet-Seiten nicht direkt aus dem Netz, sondern von einem Rechner des Providers (eben dem Proxy) übertragen werden.Allerdings besteht die Möglichkeit, daß der Proxy nicht aktualisierte Websites enthält.Vermutet der Nutzer eine nicht aktuelle Website vorzufinden, kann er sie durch Anklicken des Reload-Buttons wieder auf den neuesten Stand bringen.Für den Provider hat der Proxy-Server den Vorteil, daß durch ihn weniger Übertragungskapazitäten belegt werden.

Für die Installation der Software wird eine CD-ROM geliefert, die den aktuellen Internet Explorer 4.01 enthält.Daneben enthält die CD-ROM zwar einige Software-Tools wie den Acrobat Reader, aber keine weiteren Internet-Programme für E-Mail oder eine Software zur Übertragung von Dateien per File Transfer Protocol (FTP).Das ist bedauerlich, da auch auf der Sireco-Homepage ein geplantes Software-Archiv noch nicht betriebsbereit ist.Stattdessen wird auf Websites verwiesen, die den Download von Programmen ermöglichen.

Insgesamt macht die Homepage von Sireco einen sehr professionellen Eindruck.Insbesondere Einsteigern hilft eine ausführliche Liste mit FAQs (Frequently Asked Questions), die auch allgemeine Fragen zum Internet beantwortet.Bei der guten Auswahl an Links ist die Sammlung mit Internet-Angeboten für Kinder hervorzuheben.Eine Kündigung ist bei Sireco nur zum Quartalsende mit einmonatiger Kündigungsfrist möglich.Allerdings wird dem Kunden bei Preiserhöhungen ein fristloses Kündigungsrecht eingeräumt.Der Dienst war immer erreichbar.

Bei Sireco stehen relativ hohe Geschwindigkeit und ordentlicher Service einem recht komplizierten Tarifsystem gegenüber.Insbesondere Einsteiger, die ihr eigenes Nutzungsverhalten noch gar nicht kennen, dürften Schwierigkeiten haben, die anfallenden Kosten abzuschätzen.Wer sich aber auf die günstigen Onlinezeiten am Abend und am Wochenende beschränkt, für den kommt Sireco in die engere Wahl.

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