Zeitung Heute : Hakuin

Mit Buddha speisen

Elisabeth Binder

VON TISCH ZU TISCH

HAKUIN, Martin-Luther-Straße 1, Schöneberg, Tel. 218 2027, geöffnet dienstags bis samstags 17 bis 23.30 Uhr, sonn- und feiertags 12 bis 23.30 Uhr. Foto: Thilo Rückeis

Man soll eben nicht zu Mönchen essen gehen. So was ist nur mit Komplikationen verbunden. Klar, dass es schon mal ganz streng anfängt. Der Hinweis „Nichtraucher-Restaurant“ prangt gleich zweimal an der Tür des nach dem buddhistischen Mönch Hakuin Ekau (1685 – 1768) benannten vegetarischen Lokals. Und gleich daneben noch der Hinweis, dass leider keine 500-Euro-Scheine angenommen werden. Was im unbefangenen Betrachter gleich einen Schreck auslöst. Ob man hier wirklich mit einem Mahl in die Nähe solcher Summen gerät? Mönche scheinen besonders gute Nerven zu haben, sonst würden sie in Zeiten, da andere Restaurants mit allen Mitteln ums Überleben kämpfen, ja wohl kaum solche schrecklichen Hemmschwellen an ihrem Eingang stapeln.

Innen wird es besser. Beruhigend plätschert ein kleiner Teich in dem nett und anheimelnd eingerichteten Lokal. Nachdenkliche Lampen scheinen auf die Gäste, füllige gelbe Rosen lächeln sie freundlich an, und die Speisekarte verspricht, dass mit dem Essen auch noch Liebe und Philosophie auf den Tisch kommen und dass mit Herz serviert wird. Zugegeben, man braucht zeitweise ein gutes Herz, um den etwas entschleunigten Rhythmus, der durchweg sehr vergeistigt (aber auch sehr nett) wirkenden jungen Männer zu ertragen, die dort servieren. Sie sind freundlich, präzise und hilfsbereit, wenngleich ein wenig arg scheu. Zwischendrin ziehen sie sich immer wieder in stille Ecken zurück, statt zu gucken, ob der Aperitif bis zur Vorspeise reicht, was er natürlich nicht tut. Denn „Fuku“ , Sekt mit Mango- und Limettensaft (4,80 Euro), ist tadellos und durchaus geeignet, in großzügigen Schlucken verputzt zu werden.

Die große Vorspeisenplatte für zwei Personen wiederum ist so ganz und gar vorzüglich, dass man ihr die Gesellschaft des exzellenten Alsace Riesling, Les Princes Abbés, 2001, Domaine Schlumberger, durchaus von Herzen gönnen darf (27 Euro). Ein entsprechender Hinweis an die vergeistigten Männer, die allesamt der ZEN-Gemeinschaft Mumon-Kai angehören, wurde dann allerdings auch relativ rasch befolgt.

Widmen wir uns also feinen japanischen Teigtaschen, Avocado-Scheiben, knusprig, gefüllten Tofugemüsekugeln, gegrillten Austernpilzen, gehäuteten Tomatenvierteln mit Schafskäse, wunderbar kräuterig gefüllten Weinblättern, pikant tomatig eingelegten Artischockenherzen, gemüsereicher Quiche, alles liebevoll malerisch auf roten und grünen Salatblättern angerichtet (18,50 Euro). Das Arrangement spricht durchaus dafür, dass ZEN-Übungen mindestens so gute Köche sind wie banaler Hunger.

Der Hit des Abends kam aber erst noch, „Kabuki“, ein Mahl aus Hakuins Heimat. Das ist schon ästhetisch ein reiner Genuss. Drei runde und drei rechteckige Schalen auf einem schwarzen Tablett, in denen befinden sich: eine wunderbar würzige Limetten-Soja-Sauce, klebriger weißer Reis, verschiedene Gemüsesorten mit Miso-Sesam-Sauce. Auf den rechteckigen Schalen findet man den Grillspieß mit mariniertem Tempeh, Tofu und Shiitake-Pilzen, Koriandertofu, Frühlingsröllchen, extra scharf gewürzten Cole Slaw, drei Scheiben eingelegten Rettich. Das alles schmeckte etwas fremd, aber sehr gut und war überaus harmonisch aufeinander abgestimmt (19,20 Euro).

Nicht ganz so überwältigend schön sah ein Gericht namens „Im Garten des Shin“ aus. Dafür versteht man es in diesem Garten, Gesundheit mit Geschmack geschickt zu verbinden. Eine tolle Kombination von Gemüsesorten: mondsichelförmige Kürbisspalten, Blumenkohl, rote Bete, Rosenkohl, Fenchel, Rübchen, Broccoli, Austernpilze, dazu zwei Variationen von Salbeisauce und Kartoffelgnocchi (15,80 Euro). Normalerweise muss man sehr hoch in der Preiskategorie klettern, um einen so perfekt austarierten Sättigungsgrad zu erreichen.

Es passte gerade noch ein Dessert mit zwei Löffeln. Wir teilten uns „Fukusoku“, die Vollkommenheit des Glücks. Was ja nur logisch war, denn Glück, das man nicht teilt, kann auch nicht vollkommen sein. Dieses bestand aus hausgemachten Datteln mit Mandelfüllung, eingehüllt in einen Mantel aus Teig, und gebettet auf einer Orangensauce. Dazu gab es hausgemachtes Grand-Marnier-Eis und extra viel Schlagsahne. Letzteres wahrscheinlich, weil wir eigentlich gebeten hatten, die Sahne ganz wegzulassen.

Da aber Mönche seit altersher zum Pädagogischen tendieren, wollten sie uns wahrscheinlich doch dazu kriegen, mal eine ganz erstaunliche Ökobio-Sahne zu probieren (7,20 Euro). Auch gut. Darauf noch Calvados (2,50 Euro) und Reiswein (4,60 Euro) und eine Einsicht. Dies ist das perfekte Restaurant für die ersten Wochen des neuen Jahres, wenn die guten Vorsätze für ein besseres Leben noch taufrisch sind. Hier haben sie gute Chancen, konserviert zu werden.

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