Zeitung Heute : Hall und Widerhall

GREGOR SCHMITZ-STEVENS

Das "Echo"-Ensemble der Musikschule Hanns EislerGREGOR SCHMITZ-STEVENS Eigentlich ist Echo eine Nymphe, die durch ihr Geplauder Hera daran hindert, ihren Göttergatten bei seinen Liebschaften zu überraschen.Später bestraft Hera sie dafür: nur noch die letzten Worte sollte sie wiederholen."Echo", so nennt sich auch ein 1997 gegründetes Ensemble an der Hochschule für Musik "Hanns Eisler" (HfM).Die engagierten Studenten wollen in kleiner Orchesterbesetzung der jüngsten Musik einen Widerhall in ihrem Studium geben.Im Festsaal der Staatsbibliothek Unter den Linden spielte "Echo" nun einige "Klassiker" des zwanzigsten Jahrhunderts. In "Octandre" von Edgard Varèse (1923) steht jeweils ein solistisch behandeltes Instrument der blockartig agierenden Gruppe gegenüber.Roland Kluttig arbeitete mit den acht hervorragenden Solisten diese Struktur deutlich heraus.Doch ein wenig blieb sein Dirigieren Taktschlagen; es entstand kein freies, über die wechselnden Takte hinweggleitendes Fließen.Gleiches galt für Arnold Schönbergs 1.Kammersymphonie (1906): zwar war der Schwung groß, mit dem Kluttig durch die Partitur eilte, die Leistungen der einzelnen Musiker beeindruckend - doch entstand kein schlüssiges Ganzes.Dafür war die Trennung der Haupt- und Nebenstimmen zu unscharf, dafür fielen zu viele Details dem rasanten Tempo zum Opfer.Überzeugend gelang hingegen Giacinto Scelsis "Anahit" für Solo-Violine und 18 Instrumente (1965), ein mikrotonales "Ein-Ton-Stück", in dem Rüdiger Spuck mit seiner umgestimmten Geige ganz im Klangstrom des Ensembles aufging. Einen Kontrapunkt setzte die Berliner Erstaufführung der "Klaviermusik V" von Paul-Heinz Dittrich, gespielt von Frank Gutschmidt.Das fast halbstündige Stück führt vom Chaos zur Ruhe, in einem langen, immer wieder durch Einschübe unterbrochenen Prozeß.Gutschmidt legte bei der Interpretation des neuen Stücks eine Virtuosität und Souveränität an den Tag, wie sie sonst nur bei Spezialisten wie Herbert Henck oder Steffen Schleiermacher zu finden ist.Gutschmidt, der 1994 bei Alan Marks sein Examen abgelegt hat, arbeitet in letzter Zeit eng mit Paul-Heinz Dittrich zusammen, so daß wohl weitere "Klaviermusiken" zu erwarten sind."Echo" ist auf jeden Fall nicht nur eine Bereicherung für den Stundenplan der HfM; das Ensemble wird wohl auch, wie dieses Konzert gezeigt hat, für Hall und Widerhall in der Neue-Musik-Szene sorgen.

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