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Ch.B.

Nicht immer nur Almodovar: eine Filmreihe im Eiszeit präsentiert das neue spanische KinoCh.B.Spanische Regisseure? Gibt es da nicht diesen jungen Wilden? Der mit dem Faible für Sex, Stierkampf und andere menschliche Abgründe? Richtig, das sind Pedro Almodóvars Themen.Allerdings liegen die wilden oder gar provokanten Zeiten dieses Regisseurs, der gerne mit dem spanischen Kino der Gegenwart identifiziert wird, schon ein Jahrzehnt zurück - in den achtziger Jahren, als das Land versuchte, die Epoche der Restauration unter Franco künstlerisch und politisch hinter sich zu lassen.Heute sind, bei allem kommerziellen Erfolg auch im Ausland, Almodóvars Filme kein Anlaß für Skandale mehr.Die Impulse für das Kino der Gegenwart gibt nicht der "Großvater" der Postmoderne, sondern sie kommen von jüngeren Regisseuren. Dieser neuen Generation und ihren Wegbereitern widmet der Ibero-Romanische Kulturverein in diesem Herbst seine schon traditionelle Filmreihe im Eiszeit-Kino in der Kreuzberger Zeughofstraße.Bis Februar gibt es zudem die Gelegenheit, die "Nuevas tendencias y memorias" und ihre Protagonisten in der Originalfassung kennenzulernen. Zu entdecken gibt es zum Beispiel die Arbeiten der 30jährigen Icíar Bollaín.Ihr Film "Hola Úestás sola?" (1995) ist ein Roadmovie der besonderen Art.Denn mit den schießwütigen Heldinnen aus "Thelma und Louise" haben Trini und la Niña wenig gemeinsam.Unbewaffnet, aber neugierig begeben sich beide per Bus auf ihre ziellose Reise in Richtung Süden.Und Icíar Bollaín begleitet sie.Mit einer 16-mm-Kamera fängt sie den Alltag ihrer beiden Heldinnen ein.Dabei entstehen ungewöhnliche Bilder von manchmal fast beängstigender Enge.Den "anderen Blick" hat die Regisseurin mit ihrem Kollegen Julio Medem gemeinsam.In "Vacas" (1992) postiert er seine Kamera zwischen grasenden Vierbeinern und verfolgt aus deren Perspektive die Fehden zweier baskischer Familien zwischen 1875 und 1936.Das Ergebnis ist eine zwischen Phantasie und Wirklichkeit oszillierende visuelle Herausforderung - Medem bekam dafür auf dem Tokioter Filmfestival 1992 einen Preis in der Sektion "Junger Film". In weit größerem Maße konnte sich noch zu seinen Lebzeiten der kubanische Regisseur Tomás Gutiérrez Alea über Anerkennung freuen.Seine politischen Komödien "Erdbeer und Schokolade" und "Guantanamera" über den Alltag auf der Zuckerinsel machten ihn in Europa bekannt.Doch schon lange davor galt Gutiérrez Alea als renommierter lateinamerikanischer Filmemacher.Daß er seinen Themen über die Jahre treu blieb, davon zeugt "Hasta cierto punto" (1983).Mit dieser Geschichte über Machismo und Emanzipation beginnt am heutigen Donnerstag um 19 Uhr die Reihe über die "Nuevas tendencias y memorias".Ein sehenswerter Auftakt. Nähere Infos unter Telefon 251 02 82

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