Zeitung Heute : Hallo PC, hier Sascha! Die biometrische Benutzererkennung erlangt Marktreife

Kurt Sagatz

Mit dem Zutritt zu einem elektronischen System hat es eine besondere Bewandtnis. Um beispielsweise in einem Firmennetzwerk arbeiten zu können, muss man sich zuerst als autorisierter Benutzer ausweisen. Auch im privaten Bereich gibt es solche Zutrittsbarrieren. Über die Windows-Profile kann beispielsweise festgelegt werden, dass nur die Eltern, aber nicht die Kinder unbeschränkten Zugang zu E-Mails und Internet erhalten. Auch hier ist eine Authentifizierung somit notwendig.

Wer wirklich vor der Tastatur sitzt, erkennt der Computer bislang nur an der Eingabe der Kennung und des dazu gehörigen Passworts. Bei der Vielzahl der Passwörter, die jeder Mensch inzwischen zu verwalten hat, ist dies nicht unbedingt eine komfortable Lösung und aus Sicht der Netzwerkverwalter auch keine besonders sichere Angelegenheit. Dies meint nicht zuletzt die Berliner Firma DCS, die auf der CeBIT in Hannover ihre biometrische Sicherheitslösung für Büro-Netzwerke, das Home Office und Notebooks vorstellte.

Das BioID Verfahren von DCS kommt ohne Kennungen und Passwörter aus: An ihre Stelle tritt die biometrische Benutzererkennung. Geprüft werden dabei drei persönliche Merkmale, wie Christian Tönnesen erläutert. Beim BioID-Verfahren müssen Gesicht, Stimme und Lippenbewegung mit den zuvor gespeicherten Referenzwerten übereinstimmen, sonst bleibt der Bildschirm leer.

Die Nutzung gleich dreier Merkmale hat einen entscheidenden Vorteil. Wird nur eine persönliche Eigenschaft - zum Beispiel der Fingerabdruck - untersucht, muss die Erkennungsschwelle sehr hoch angesetzt werden, damit sich Unbefugte nicht Zutritt zum System verschaffen können. Das aber birgt die Gefahr, dass der rechtmäßige Nutzer ebenfalls abgewiesen wird, wenn der Abdruck nicht hundertprozentig übereinstimmt. Die Akzeptanz solcher Systeme ist verständlicherweise nicht besonders hoch. Entsprechende Pilotversuche scheiterten darum auch zumeist.

Werden nun jedoch drei Merkmale geprüft, kann die Schwelle ohne Verlust an Sicherheit reduziert werden, so dass auch geringe Nebengeräusche die Stimmprobe nicht behindern oder eine Brille die Gesichtserkennung nicht unmöglich macht und die Lippenbewegungen des Nutzers bei schwachem Licht noch richtig erkannt werden.

Die Abgabe einer Stimmprobe hat gegenüber dem Fingerabdruck überdies noch einen weiteren Vorteil. Zum einen ist es möglich, das ausgesprochene Passwort zu ändern, zum anderen kann jedem Passwort ein eigenes Profil zugewiesen werden. So kann sich ein und der gleiche Nutzer zum Beispiel mit dem Wort "Admin" als Systemadministrator anmelden während zum Beispiel die Nennung des Vornamens den normalen Arbeitsplatz öffnet.

Die Sicherung des Systems mit biometrischen Verfahren hat natürlich ihren Preis. Einerseits wird ein Computer benötigt, der über ein Mikrofon und eine Kamera verfügt. Kostenpunkt: Rund 200 Mark. Andererseits muss die DCS-Software gekauft werden. Eine Client-Server-Lösung für Unternehmen gibt es ab 6000 DM, die Version für kleine Firmen oder Heimworker wird mit 200 Mark je PC berechnet.

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