Zeitung Heute : Hamas schwört Rache

Tausende Palästinenser protestieren gegen Israel / Bei Angriffen offenbar wieder Kinder getötet / 400 Ausländer verlassen Gazastreifen

Gaza - Am siebten Tag der israelischen Luftangriffe auf den Gazastreifen haben tausende Palästinenser im Westjordanland ihrer Wut Luft gemacht. Sowohl im Ostteil Jerusalems als auch am Sitz der palästinensischen Autonomieverwaltung in Ramallah gingen sie auf die Straße, nachdem die Hamas zu einem „Tag des Zorns“ aufgerufen hatte.

„Wir werden unsere Seele und unser Blut für Gaza opfern“, skandierten die Demonstranten in Ramallah. Im Osten Jerusalems hatten sich mehrere tausend muslimische Gläubige zunächst an der Al-Aksa-Moschee friedlich zum Freitagsgebet versammelt. Dann warfen Palästinenser Steine auf israelische Polizisten, die Tränengas einsetzten. Im Stadtviertel Ras al Amud wurden zwei Brandsätze auf israelische Polizisten geworfen. Israel hatte tausende Sicherheitskräfte mobilisiert und hält das Westjordanland seit Donnerstag um Mitternacht aus Sorge vor Anschlägen für 48 Stunden komplett abgeriegelt.

Die im Gazastreifen regierende Hamas hatte zu den Protesten aufgerufen, nachdem am Donnerstag einer ihrer Anführer, Nisar Rajan, bei einem israelischen Angriff ums Leben gekommen war. Den Palästinensern stünden alle Optionen für einen Gegenangriff offen, auch Selbstmordattentate, sagte Hamas-Sprecher Ismail Radwan. Im Iran und in Afghanistan protestierten ebenfalls tausende Menschen nach dem Freitagsgebet gegen das Vorgehen Israels. Auch in Deutschland demonstrierten Tausende gegen die Angriffe Israels – unter anderem in Hamburg, Stuttgart und Berlin.

Das israelische Militär setzte seine Militäroffensive gegen die Hamas fort, die erwartete Bodenoffensive blieb weiter aus. Nach Angaben einer Sprecherin bombardierte das Militär mutmaßliche Raketenstellungen und Waffenlager der Palästinenserorganisation. Zu den Zielen gehörte eine Moschee in der Ortschaft Dschabalija im Norden des Gazastreifens, die angeblich von der Hamas als Waffenlager genutzt wurde. Im Gegenzug feuerten militante Palästinenser mehr als 20 Raketen auf israelische Städte ab. Insgesamt wurden nach palästinensischen Angaben seit Beginn der „Operation Gegossenes Blei“ mehr als 420 Menschen getötet und mehr als 2100 verletzt. Nach UN-Angaben sind rund ein Viertel der Opfer Zivilisten. Am Freitag kamen bei einem Luftangriff im Süden des Gazastreifens nach Angaben von Rettungskräften drei Brüder im Alter von sieben bis zehn Jahren ums Leben. Am Freitag verließen rund 400 Ausländer mit doppelter Staatsbürgerschaft das Palästinensergebiet, die meisten von ihnen waren russischer Abstammung. Der Kontrollpunkt Eres wurde zu diesem Zweck kurzzeitig geöffnet.

Die Europäer bemühten sich weiter um ein Ende der Gewalt. Schwedens Außenminister Carl Bildt und seine Kollegen aus Frankreich und Tschechien, Bernard Kouchner und Karel Schwarzenberg, wollen am Sonntag im Nahen Osten für eine Waffenruhe werben. Auch Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy ist in der kommenden Woche zu einer Vermittlungsmission in der Region unterwegs. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sicherte den arabischen Staaten seine „ausdrückliche Unterstützung“ bei ihren Vermittlungsbemühungen im Nahen Osten zu. AFP/dpa

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