Zeitung Heute : Handy am Steuer: Verbot ab Februar - Keine Gnadenfrist für Sünder

Hendrik Vöhringer

Wer nach dem dem 1. Februar im Auto während der Fahrt telefonieren will, sollte die Finger vom Handy lassen. Denn dann dürfen Autofahrer per Gesetz nicht mehr mit Handy am Ohr telefonieren. Erlaubt ist aber weiterhin das Telefonieren über Freisprechanlagen. Doch anders als in den letzten Tagen vielfach befürchtet, hält sich bei den Berliner Werkstätten von Ford, VW, Opel, Mercedes und BMW die Nachfrage an solchen Freisprechanlagen noch in Grenzen.

"Wir haben nur einen leichten Anstieg beim Verkauf zu verzeichnen", sagt Markus Knapp vom Kundendienst des Opelhaus Bessemerstraße in Tempelhof. Deshalb gebe es beim Material keine Engpässe. Andreas Winkens, Lagerleiter der Mercedes-Benz Vertragswerkstatt Dressel in Zehlendorf: "Alle Geräte sind im Lager vorhanden oder sofort lieferbar." In den meisten Werkstätten besteht zudem die Möglichkeit, die Geräte selbst mitzubringen und einbauen zu lassen. Dass die Nachfrage aber in Zukunft noch steigen wird, damit rechnet auch Andreas Winkens: "Wenn das Gesetz im Februar in Kraft tritt, dann wird den Leuten erst richtig bewusst, dass sie eine Anlage brauchen." Oder wenn das erste Knöllchen in Höhe von 60 Mark gezahlt werden muss. "Wenn das Gesetz in Kraft tritt, wird ein Verstoß auch sofort geahndet. Mündliche Verwarnungen werden nicht ausgesprochen", warnt Jakob Zik, Sprecher der Berliner der Polizei.

Bisher waren Handys im Auto eine praktikable Angelegenheit. Keine aufwändigen Installationen, kein Kabelgewirr. Eine vom ADAC in Auftrag gegebene Studie der Universität Bremen hat die Gefahr von Mobiltelefonen nachgewiesen. 49 Autofahrer mussten eine festgelegte Strecke dreimal fahren. Einmal ohne Telefon, dann mit einem Telefon plus Freisprecheinrichtung und schließlich mit einem Handy.

Ohne Handy wurden im Schnitt nur 0,5 Unsicherheits-Fehler (zu spätes Bremsen, Fahrspur nicht korrekt eingehalten) registriert. Mit einer Freisprecheinrichtung erhöhte sich die Zahl der Fehler schon um ein 12-faches, mit Handy machten die Testpersonen sogar 30 Mal mehr Fehler. Auch bei den Fahrfehlern (Schild übersehen, Abbiegen vergessen, falscher Gang eingelegt) ist das Ergebnis der Studie eindeutig. Wurde ohne Telefon im Durchschnitt nur ein Fehler gemacht, stieg die Zahl mit einer Freisprecheinrichtung auf 3,4. Mit Handy wurden durchschnittlich 6,5 Fehler gemacht.

Auch der Blick in den Rückspiegel beim Abbiegen hat unter der Ablenkung des Telefonierens zu leiden. Beim Befahren der Teststrecke ohne Telefon schauten die Testpersonen rund 25 Mal zurück, beim Freisprechen noch 22 Mal, mit Handy nur 16 Mal. Die Fahrer waren nach ihren Touren überzeugt, fehlerfrei gefahren zu sein. Auch dass Rechenaufgaben, die sie während der Fahrt gestellt bekommen hatten, falsch gelöst wurden, blieb unbemerkt. Professor Dietrich Ungerer, Unfallforscher der Universität Bremen, macht die nachlassende Konzentrationsfähigkeit dafür verantwortlich: "Wenn zur Grundaufgabe Fahren noch die Zusatzaufgabe Telefonieren kommt, mangelt es dem Hirn an Ressourcen - wie bei einem Computer läuft der Arbeitsspeicher über."

Doch das im Gesetz vorgesehene Handyverbot bedeutet nicht, auf das Telefonieren im Auto vollständig zu verzichten. Grundsätzlich sieht das Gesetz folgendes vor: Verboten ist es, während der Fahrt das Handy zum Telefonieren mit der Hand ans Ohr zu halten oder es zu bedienen - sei es, um eine Nummer zu wählen, Mitteilungen zu verschicken oder im Internet zu surfen. Anhalten und Motor abstellen, ist also Pflicht. Ansonsten drohen 60 Mark Bußgeld.

Während der Fahrt darf das Handy nur in solchen Fällen benutzt werden, in denen es zum Telefonieren nicht in die Hand genommen werden muss. Der Gesprächspartner darf mit nur einem einzigen Druck auf eine Kurzwahltaste angewählt werden.

Wer eine Freisprechanlage kaufen will, kann zwischen drei verschiedenen Modellen wählen. Zum einen gibt es die fest eingebaute Freisprecheinrichtung, bei der die Verständigung im Vergleich zu anderen Freisprecheinrichtungen am besten ist. Sie ist meist mit der Radio-Anlage verbunden, bietet eine automatische Rufannahme, Radio-Stummschaltung und optional die Möglichkeit, den Gesprächspartner per Spracheingabe anzuwählen. Allerdings sind nicht alle Geräte mit allen Autosystemen kompatibel. Wer sein Handy wechselt, muss sich meist auch eine neue Anlage zulegen. Die Preisspanne für die Geräte liegt zwischen 300 und 700 Mark. Zusammen mit dem Einbau kommt man auf 500 bis 1000 Mark.

Praktischer und günstiger sind Plug-and-Play-Geräte für 50 bis 270 Mark. Sie sind schnell und einfach einzubauen und werden zur Stromversorgung direkt an den Zigarettenanzünder angeschlossen. Das große Plus der Geräte liegt in ihrer Mobilität. Wer das Auto wechseln muss, kann sein Freisprechgerät trotzdem mitnehmen. Abstriche muss man bei den Plug-and-Play-Geräten jedoch in der Verständigungsqualität machen. Häufig fehlt ihnen der Anschluss an eine externe Antenne und viele praktische Funktionen, über die Festeinbauten verfügen.

Als drittes und billigstes Modell gibt es das sogenannte Head-Set. Für 30 bis 160 Mark ist diese Variante schon zu haben. Bei der Kombination von Mikrofon und Ohrhörer ist die Verständigung zwar gut, jedoch lässt der Tragekomfort zu wünschen übrig, wenn der Ohrstecker bei Kopfbewegungen häufiger mal abrutscht. Außerdem fehlen Anschlüsse für eine externe Antenne oder die Anschlusskabel sind zu kurz.

Wer also auch ab dem 1. Februar im Auto telefonieren will, wird entweder anhalten oder sich eine Freisprechanlage zulegen müssen. Ansonsten drohen 60 Mark Bußgeld. Oder man steigt aufs Fahrrad um. Dann zahlt man bei Missbrauch nur die Hälfte.

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