Zeitung Heute : Handy für Oma

Der Markt von Seniorendiensten boomt.

Rüdiger Hermann

Mit dem eigenen Haus hatte sich Elise Smyczek vor Jahrzehnten einen großen Traum erfüllt. „Dass ich mich mal fragen würde, ob das die richtige Entscheidung war, hätte ich nie gedacht“, sagt die 72-Jährige heute. Denn auch wenn man der Seniorin ihr Alter kaum ansieht, spürt sie doch das eine oder andere Zipperlein. „Die Knie sind das Schlimmste“, sagt sie. „Ich schaffe es kaum in den ersten Stock.“ Jetzt umzuziehen, das kann sich die Rentnerin aber nicht vorstellen. „In eine Wohnung oder gar ein Heim ziehe ich niemals“, sagt sie.

Das muss Elise Smyczek auch nicht. Denn moderne Wohnkonzepte und neuartige Dienstleistungen ermöglichen hochbetagten Senioren ein selbstbestimmtes Wohnen in den eigenen vier Wänden, sogar im Pflegefall. Dazu wendet man sich im ersten Schritt an eine professionelle Beratung. Der Markt von sogenannten Assistance-Leistungen und Seniorendiensten boomt. Barrierefreiheit ist jetzt das große Stichwort. Denn vieles, was in jüngeren Jahren nicht die geringste Hürde darstellte, wird im Alter plötzlich zur unüberwindbaren Herausforderung.

Das schließt nicht nur Stufen oder Treppen ein: Wenn die Augen schwächer und die Finger arthritisch werden, lässt sich zum Beispiel kaum noch ein normales Mobiltelefon bedienen. Spezielle Seniorenhandys haben besonders große Tasten und sind ganz einfach zu benutzen. Die befragten Experten für altersgerechtes Wohnen sehen sich in einem nächsten Schritt dann die bauliche und wohnliche Situation an.

Dabei wird von barrierefreien Zugängen bis hin zu gut erreichbaren Bedienvorrichtungen für Steckdosen oder Fenstergriffen die gesamte Einrichtung unter die Lupe genommen. Fast in jeder Wohnung gibt es Stolperfallen wie Teppiche oder eng gestellte Möbel. Die sind zwar schnell beseitigt. Doch oft muss man bauliche Veränderungen vornehmen – meist im Bad. Denn es gibt Duschen ohne Wannenrand und Badewannen, die eine eingebaute Einstiegstür haben und somit mühelos begehbar sind. Viele Hilfsmittel werden von den gesetzlichen und privaten Krankenkassen zumindest bezuschusst, ebenso ambulante Pflegedienste und Haushaltshilfen.

Für Elise Smyczek war nach der Beratung jedenfalls klar, was die erste Neuerung in ihrem Haushalt sein sollte: ein Treppenlift, der ihr endlich wieder ermöglichte, den ersten Stock ihres Hauses schmerzfrei zu betreten. „Und als nächstes schaffe ich mir so ein Seniorenhandy an.“ Rüdiger Hermann

Der Autor ist Vorstandsvorsittender der Allianz Global Assistance

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