Zeitung Heute : Hans Neuenfels, Regisseur

Befragt von Beatrix Schnippenkoetter

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WAS ICH MAG

1. Zu Hause: Frauenstimmen, Kinderstimmen

und die Vogeluhr.

2. Im Theater: Sprache und Musik zu hören,

als hätte es sie noch nie gegeben.

3. An Oper: Dass Singen so selbstverständlich

sein kann wie Küssen.

4. An meiner Arbeit: Dass ich – nach Kleist – im

ganzen Gebiet der Möglichkeit mich versuchen kann.

5. An der Komischen Oper: Neugierde, den Chor und den Parkplatz.

6. An Deutschland: Den Versuch, eine unvorstellbare Vergangenheit zu bewältigen, die einer

menschlicheren Zukunft Wahrscheinlichkeit gäbe.

7. An Berlin: Den Einblick ins deutsche Wesen und das Café am Neuen See wochentags um 11.15 Uhr.

8. Ein Satz, den ich gern öfter hören würde:

Alles wird gut.

WAS ICH NICHT MAG

1. Zu Hause: Die Tür aufzuschließen und niemand

ist da außer der Vogeluhr.

2. Im Theater: Die Dichter und Komponisten lassen sich nicht beschwören, und ihre Texte und Noten sind nicht zu entziffern.

3. An Oper: Die Sänger haben die Stimme verloren.

4. An meiner Arbeit: Hinzugehen und fortzugehen ohne dagewesen zu sein.

5. An der Komischen Oper: Das zu enge Bühnenportal, das auf manchen Plätzen die Einsicht behindert.

6. An Deutschland: Dass wir nicht alle Ausländer sind, am Mittelmeer wohnen und die deutschen Touristen betrügen.

7. An Berlin: Eine Hauptstadt ist eine Hauptstadt eine Hauptstadt eine Hauptstadt, aber wo sind die Knochen?

8. Ein Satz, den ich nie wieder hören möchte: Wollt ihr den totalen Krieg?

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