Zeitung Heute : HARTE WORTE VON BRASILIENS FUSSBALL-LEGENDE PELE: "Zagalo läßt die Besten auf der Bank"

PARIS (sid).Trotz der glanzvollen Vorstellung im zweiten WM-Vorrundenspiel gegen Marokko (3:0) geht Pelé hart mit Weltmeister Brasilien ins Gericht.In einem Interview mit dem "Kicker" warf der dreimalige Weltmeister Trainer Mario Zagalo eine verfehlte Personalpolitik vor und verglich ihn mit dem ungeliebten Carlos Albert Parreira, der nach dem WM-Triumph 1994 seinen Posten räumen mußte.

"Zagalo hat einige der besten Spieler auf der Bank gelassen.Und er spielt einfach zu defensiv", erklärte Brasiliens lebende Fußball-Legende.Zudem sei Bebeto "eindeutig" nicht der richtige Sturmpartner für Ronaldo.Pelés Forderung: "Zagalo muß Edmundo und Denilson neben Ronaldo stellen."

Für den Weltmeister von 1970, der als Kommentator für einen brasilianischen Fernsehsender arbeitet, steht zudem kein Kollektiv auf dem Platz: "Brasilien besitzt gute Individualisten, jedoch ein schlecht organisiertes Team." Zagalo setzte offenbar auf dasselbe System wie Parreira, der die Südamerikaner 1994 zum vierten WM-Triumph geführt hatte: "Wir hatten damals große Probleme.Unser Fußball wurde nicht geliebt, Trainer Parreira gefeuert.Wir waren Weltmeister - und wir wurden kritisiert."

Pelé steht mit der Forderung nach einer offensiveren Ausrichtung des Spiels konträr zur Auffassung Zagalos sowie des Sportlichen Direktors Zico, die einer "kontrollierten Offensive" den Vorzug geben.Der bislang nur sporadische Einsatz Denilsons stößt allerdings auch bei den brasilianischen Fans auf Unverständnis.Während der Begegnung gegen Marokko forderten sie in lang anhaltenden Sprechchören die Einwechslung des 21 Jahre alten Jung-Stars vom FC Sao Paulo.

Die Diskussion um die taktische Ausrichtung des viermaligen Titelträgers ist seit Wochen akut.Zunächst stand die Ausrichtung des Spiels auf "Wunderstürmer" Ronaldo im Brennpunkt der Kritik.Zico hatte dabei angeprangert, daß sich der "Weltfußballer des Jahres" nicht genug bewege und das Team deshalb leicht auszurechnen sei.Prompt war Ronaldo im Spiel gegen Marokko durch ständige Positionswechsel kaum auszurechnen.

Hinsichtlich der Aufgabenverteilung zwischen den beiden Außenverteidiger Cafu und Roberto Carlos hatten Zico und Zagalo nach anfänglichen Unstimmigkeiten einen Konsens gefunden."Ich bin zwar nach wie vor davon überzeugt, daß wir wieder zur alten offensiven Leidenschaft zurückkehren werden, das heißt aber nicht, daß wir unklug spielen werden", erklärte Zagalo.

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