Zeitung Heute : Hausarzt per Bildschirm zur Stelle Wie Videotelefonie

den Alltag erleichtert.

Günter Wältermann

Die ersten Auswertungen zeigen, wo das größte Kontaktbedürfnis der Senioren liegt. Es sind die Gespräche mit den Familienangehörigen, die am häufigsten per Bildtelefon geführt werden, gefolgt von Anrufen beim Arzt. 35 Versicherte der AOK Rheinland/Hamburg nehmen inzwischen am Pilotprojekt „Versorgtes, interaktives, technikgestütztes, altersgerechtes Leben in Goch“ – kurz VITALIG – teil. Es sind ältere Frauen und Männer mit Betreuungsbedarf, die bereits eine Pflegestufe haben, oder Menschen mit absehbarem Pflegebedarf. Bei ihnen zu Hause steht seit Februar ein großer Bildschirm mit Telefonanschluss. Träger dieses Pilotprojektes ist neben der AOK Rheinland/Hamburg und der Telekom die Kleinstadt Goch am Niederrhein.

Eine Berührung der Schaltfläche reicht und sofort baut sich eine akustische und visuelle Verbindung über eine geschützte DSL-Leitung auf. Einfacher als über das normale Telefon oder über Skype können Tochter, Sohn, der Hausarzt, die Stammapotheke, ein Pflegedienst, ein Sanitätshaus, der städtische Seniorenberater und der AOK-Pflegestützpunkt erreicht werden. Auch ein Hausmeisterdienst ist schnell und sprichwörtlich im Bilde, wenn es um kleine Reparaturen, die Gartenpflege oder Einkäufe geht.

Das Ziel des Pilotprojektes lautet: Versicherten mit eingeschränkter Mobilität oder Pflegebedürftigen soll ermöglicht werden, ihre Versorgung und Alltagserledigungen per Videotelefonie sicherzustellen. Das Angebot soll den Teilnehmern nicht nur Wege und Fahrten ersparen, die sie selbst nicht mehr oder nur mit Hilfe anderer Personen bewältigen können. VITALIG dient auch dazu, der Vereinsamung älterer Menschen entgegenzuwirken.

Insgesamt soll neben der Verbesserung der Alltagssituation der Teilnehmer erforscht werden, ob durch den Aufbau eines Versorgungsnetzes ältere, pflegebedürftige Menschen das Leben in der eigenen Häuslichkeit fortsetzen können. Das bedeutet, dass ein Pflegeheimaufenthalt vermieden oder verzögert werden könnte. Das Pilotprojekt läuft bis zum 30. Juni 2015. Ziel ist es, die Teilnehmerzahl auf hundert zu bringen. Für die Versicherten der AOK Rheinland/Hamburg ist die Teilnahme kostenlos.

„VITALIG Zuhause“ gehört in die neue Forschungsrichtung „Ambient assisted living“ (AAL): von der Umgebung unterstütztes Leben. Mehrere deutsche Hochschulen und Firmen erproben technische Hilfsmittel, die alten Menschen helfen sollen, sie aber nicht überfordern oder bevormunden. Günter Wältermann

Der Autor ist Vorstandsvorsitzender der AOK Rheinland/Hamburg

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