HEAVY METAL Manowar : Malocher mit Matte

Jörg W,er

Härter, länger, lauter: Gäbe es den olympischen Mehrkampf im Heavy Metal, hätten Manowar gute Chancen auf eine Medaille. Schon zu Beginn ihrer Karriere in den frühen Achtzigern legten die Amis Wert darauf, nicht mit all den Minipli- und Spandexhosenträgern einer zersplitternden Szene verwechselt zu werden: Wer Plattenverträge mit Eigenblut unterzeichnet, ist des Posertums unverdächtig und darf seinen Höllenlärm „True Metal“ nennen, um sich von falschen Metal-Fuffzigern abzusetzen.

Natürlich verlangt der wahre Stoff harte Arbeit, weshalb Manowar die Übererfüllung sämtlicher Leistungsnormen als martialischen Proletkult inszenieren. Das lauteste Konzert? Diesen begehrten Rekord haben Manowar mehrfach gebrochen. Auch als Marathonmänner haben sie mit dem längsten Auftritt einer Metalband (fünf Stunden, eine Minute) für Furore gesorgt. Tempo spielt bei Manowar nur eine Nebenrolle. Ehrensache, dass Gitarrist Karl Logan zu den flinksten Riffhexern der Branche gehört und Scott Columbus und Joey DiMaio an Schlagzeug und Bass mörderische Rhythmuswechsel im Schlaf beherrschen, während Eric Adams von kastratenhaftem Gekreisch bis zu unterirdischem Gegrunze alle Metal-Stimmlagen abdeckt. Wichtiger ist die durchgeknallte Stilmixtur, die wagnerianischen Klangbombast und krude Fantasy-Ästhetik zum Gesamtkunstwerk synthetisiert und in herrlich bescheuerten Konzeptalben wie „Gods of War“ mündet. Und wer den Krawallbrüdern mit der Moralkeule kommt und ihnen Gewaltverherrlichung vorwirft, unterschätzt das selbstironische Potenzial einer Band, deren Anhänger sich zwar als „Army of Immortals“ hart geben, aber wie die meisten Metal-Fans ganz lieb sind. Jörg Wunder

Tempodrom, Di 19.1., 20 Uhr, 65 € DS203

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