Zeitung Heute : Heidemarie Wieczorek-Zeul?
Namen sind Nachrichten“ besagt ein ehernes Gesetz im Journalismus. Heidi Wieczorek-Zeul (SPD) könnte nach der Wahl in einer großen Koalition vielleicht Entwicklungsministerin bleiben. Wäre das eine gute Nachricht? Wir überprüfen täglich die Amtstauglichkeit eines Spitzenpolitikers – bis zur Wahl.
AMT: Man hätte auch die Uhr danach stellen können. Kaum, dass Angela Merkel auf ihrem Jubel-Konvent die letzten Worte über die Lippen gekommen waren, schwupps, da war „HWZ“ schon zur Stelle. Oh doch, die Reflexe funktionieren noch. Und so erklärte die SPD-Vizevorsitzende und Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Heidemarie Wieczorek-Zeul, auf ihrer Homepage pflichtgemäß, was sie von der Kanzlerin in spe hält – natürlich nix: „Angela Merkel hat in ihrer Rede kaum ein Wort zur Außenpolitik der Union gesagt.
Das allein spricht schon Bände. Sie will damit vor allem von ihrer Pro- Kriegs-Haltung in der Irakfrage ablenken. Fakt bleibt: Mit Frau Merkel an der Spitze stünden heute deutsche Soldaten im Irak, mit allen schrecklichen Konsequenzen“. Ja, das ist O-Ton „rote Heidi“, so, wie wir sie seit 1974 kennen, dem Jahr der Fußball-WM – damals wurde sie Juso- Chefin. Wie eine Punk-Band, die nur zwei Akkorde beherrscht, von ihren Anhängern aber unverdrossen für ihre Bühnenshow geliebt wird, hat die 62-jährige gebürtige Frankfurterin seitdem stets Politik betrieben. Das hat sich nicht geändert, seit sie im Oktober 1998 das Entwicklungsministerium übernahm, seinerzeit vom Kanzler knapp über der „Gedöns-Schwelle“ versorgt, und viel ist auch nicht hinzugekommen. Schröder selbst übrigens war froh, der stets um ihr Profil bemühten Linken („Nu’ lass mal, Heidi“) ein Ressort verschafft zu haben; was für eines, dafür hat er sich eigentlich erst interessiert, als die Tsunami-Katastrophe beim Duo Schröder/Fischer für einen Moment Eine-Welt-Gedanken aufkommen ließen. Könnte sein, dass Merkel in dieser Hinsicht für Kontinuität sorgt.
AMBITIONEN: Die sind enorm. HWZ war mal Lehrerin, aber das ist lange her, 31 Jahre. Ein Leben ohne Politik kann sie sich nicht vorstellen, eines ohne Amt (am liebsten Ministeramt) nur schwer. In eigener Sache hat sie auf SPD-Parteitagen noch immer die schönsten Ergebnisse erzielt. Ihre Erklärung wäre schon sehr interessant, warum sie in einer großen Koalition unter einer Irak-Kriegs-Anhängerin Ministerin bleiben muss.
AUSSICHTEN: Vorwiegend heiter nur dann, wenn Angela Merkel – die gelernte Physikerin – mit den Beharrungskräften in der Politik spielt, einen auf Dialektik macht und genau aus diesen Gründen HWZ an den Kabinettstisch bittet.
WAHRSCHEINLICHKEIT: Mäßig.





