Zeitung Heute : Heiß umkämpftes Terrain der Computermessen

KARIN KLEINER

Fach- und Publikumsveranstaltungen gehen unterschiedliche Wege VON KARIN KLEINER

Der Markt für Fachmessen auf dem Gebiet der Informations- und Kommunikationstechnologien ist in Deutschland in den letzten Jahren zum heiß umkämpften Terrain geworden.Einige Messen und Kongresse sind bereits dem Wettbewerb zum Opfer gefallen, andere stehen kurz vor dem endgültigen Aus. Ein aktuelles Beispiel für das Scheitern einer Veranstaltung ist die "Networld + Interop", die für Mai anberaumt war und vor wenigen Wochen ohne nähere Begründung abgesagt wurde.Fachleute erklären das Ende dieser Veranstaltung, die nur in den Jahren 1995 und 1996 abgehalten wurde, damit, daß der Veranstalter Softbank Expos vergeblich versucht habe, ein amerikanisches Konzept auf den deutschen Markt zu übertragen.Dies funktioniere eben nicht automatisch, so die Wettbewerber.Jegliche Fehler, egal ob nun in der Planung, der Präsentation oder dem Organisationablauf, führten bei der scharfen Konkurrenz in der heutigen Messe- und Kongreßlandschaft unweigerlich zum Scheitern. Weitere Gründe für das Scheitern von Messeveranstaltungen liegen nach Auskunft von Pressesprecherin Kerstin Möller der Netzwerk- und Kommunikationsmesse LogIn Berlin darin, daß die Organisatoren zu langsam oder auf falsche Trends reagieren.Wenn zudem in der Branche kein Bedarf für eine zusätzliche Messe bestünde und spezifische Gegebenheiten des nationalen Marktes nicht berücksichtigt würden, sei die Pleite vorprogrammiert, betont sie. Tendenziell zeichnen sich auf dem deutschen Messe- und Kongreßmarkt zwei Überlebensstrategien ab: Die großen Fachmessen wie natürlich allen voran die weltgrößte Computer- und Kommunikationsmesse CeBIT, aber auch eine Fachveranstaltung wie die Systems in München oder die Infobase in Frankfurt haben sich einen festen Platz im Messekalender der Profis erobert.Hier werden die Fachleute angesprochen und erfahren, was für die jeweiligen Branchen relevant ist.Neben diesem Veranstaltungstyp mit überregionaler Bedeutung haben sich in letzter Zeit auch kleinere Veranstaltungen mit stärker regionalem Bezug etabliert.Hierzu zählt beispielsweise die BIK in Leipzig.Diese Regionalmessen sprechen nicht allein die Fachleute an, hier sind auch die privaten Nutzer gern gesehene Besucher. Neue Hoffnungen schöpfen die Messe- und Kongreßveranstalter, die ständig Ausschau nach innovativen Konzepten für Neuveranstaltungen halten, in den letzten Jahren durch die Szene-Themen Online, Internet und Multimedia.Doch die Suche nach "weißen Flecken auf der Messelandkarte", wie es Mike Seidensticker von der Deutschen Messe AG Hannover formulierte, bringt selten den gewünschten Erfolg, da die meisten Produkte und Themen schon abgedeckt sind.So richtig verwundert dies angesichts der 1800 europäischen Fachmessen nicht.Und für Veranstalter, die es dennoch versuchten, sei es eben extrem schwierig, sich mit ihrem Angebot überzeugend im Markt zu positionieren und ein Stück des verteilten Kuchens zu erstreiten. Unter den Organisatoren von Publikumsmessen herrscht ebenfalls rege Konkurrenz, und die Veranstalter buhlen um Besucher und Aussteller.Nach der Prognose einzelner Fachleute werden sich einige dieser Messen konzentrieren: Thematisch verwandte Veranstaltungen werden an einem Ort und zum gleichen Zeitpunkt stattfinden, immer mehr Organisatoren von Publikumsmessen werden Tagungen, Messen und Kongresse einer Branche oder eines Sachgebiets zusammenlegen.Um sich langfristig zu etablieren, sagen Fachleute, könnten Messeveranstalter auf diese Weise Marktnischen finden. Doch eine Veranstaltung besteht nicht allein aus Messe- und Kongreßgesellschaft, denn ohne die Aussteller geht nichts.Und auch hier zeigen sich Auswirkungen des immensen Angebots von konkurrierenden Veranstaltungen.Die Folge: Die ausstellenden Firmen überlegen sich sehr genau, auf welcher Messe sie einen Stand anmelden möchten.Deswegen ist der Preiskampf der Veranstalter untereinander unerbittlich.Da kann es schon einmal passieren, daß eine bereits angekündigte Messe nicht mehr stattfindet.

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