Zeitung Heute : Heiter

ECKART SCHWINGER

Vogler-Quartett im Schauspielhaus Mit seinem so intelligenten wie vitalen Musizierstil erzielte das Vogler-Quartett auch im Rahmen des Beethoven-Streichquartettzyklus im sehr gut besuchten Kammermusiksaal des Schauspielhauses Berlin einen nachwirkenden Erfolg.Kein akademisch-dreimalkluges, alles langatmig ausbreitendes Quartettspiel begegnete uns, sondern ausgesprochen heiterer Geist.Auch das zu Beginn gespielte frühe Quartett in G-Dur op.1 Nr.2 kam nicht lediglich im Konversationston herüber.Schon dabei ließ sich das Vogler-Quartett vorbehaltlos auf das Abenteuer Beethoven ein.Danach brachte es beim f-Moll-Quartett op.95 naturgemäß eine ungleich stärkere Schubkraft und bisweilen recht waghalsige Rasanz ins Spiel und einige heute schon unerläßliche Schroffheiten, die allerdings gerade bei Beethoven der Gefahr der Überstrapazierung erliegen.Aber da selbst in den Ecksätzen ein exaktes Timing zu bemerken war, bekam die konsequent aggressive Musizierhaltung dem Stück gar nicht schlecht. Daß die Vogler-Leute auch ganz anders können, bewiesen sie beim empfindungs- und bilderreichen Es-Dur-Streicherquartett op.127.Da wurde leise, lyrisch poesivoll musiziert, ohne zugespitzte Pointierungen auszuklammern.Da war alles im Fluß.Im Adagio war eine nuancierte, vielsagende Kantabilität zu bemerken.Entsprechend dem sich immer deutlicher herausschälenden Werkcharakter setzte das Vogler-Quartett den Schlußpunkt, der zugleich der des Beethoven-Streichquartett-Zyklus im Schauspielhaus war, mit erhabener Heiterkeit.ECKART SCHWINGER

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben