Zeitung Heute : Heitere Ehrung

Der Tagesspiegel

Worüber unterhalten sich Staatsmänner unter vier Augen? Ein wichtiges Thema beim jüngsten Gespräch mit Papst Johannes Paul II., so viel dürfe er sagen, sei die Schulzeit gewesen, bekannte Polens mehrfacher Außenminister Wladyslaw Bartoszewski bei einem Essen zu Ehren seines 80. Geburtstages in Berlin. Er habe vor dem Weltkrieg eine katholische Schule besucht, Karol Wojtyla eine staatliche - woraus der Papst schloss: Dann habe Bartoszewski ja enorme Startvorteile gehabt. Da die Ehrung mit Helmut Kohls 72. Geburtstag zusammenfiel, erzählte Bernhard Vogel, Thüringens Ministerpräsident und als Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung der Gastgeber des Abends, zu einem gelungenen Sommerurlaub des berühmtesten Touristen am Wolfgangsee habe stets ein Besuch Bartoszewskis gehört. So heiter wie der Abend war Bartoszewskis Leben nicht immer, er war das Opfer zweier Diktaturen: als Jugendlicher Häftling in Auschwitz, im Stalinismus acht Jahre in Gefängnissen und Lagern. Aber: „Es lohnt sich, anständig zu sein“, zitierte Vogel einen Buchtitel des Jubilars. Weil er im Krieg Juden in Polen geholfen hatte, erklärte ihn Israel zu einem „Gerechten unter den Völkern“. Mit den Deutschen hat er früh wieder Kontakt aufgenommen. Als er 1986 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels erhielt, sprach er prophetisch über die Bedingungen für eine Wende in Europa: Jeder denkende Pole müsse verstehen, dass die Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten die Voraussetzung für Polens Freiheit sei. Die ernsten Gespräche drehten sich um den Nahostkonflikt: für Vogel Indiz, wie problemlos die deutsch-polnischen Beziehungen heute seien – auch dank der Bemühungen des Außenministers Bartoszewski. cvm

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