Zeitung Heute : Helfen kann so einfach sein

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TRIALOG

Der älteste Kampf der Menschheit, der gegen feindliche Naturkräfte, meldet sich zurück – für uns in Europa, denn in anderen Teilen der Welt ist der Kampf gegen die Dürre hier und Fluten dort Alltag, aber nicht nur mit mindestens zwölf Todesopfern wie diesmal in Sachsen. Wir sollten, bei allem Entsetzen über die Schreckensbilder, nicht vergessen, dass unsere Vorfahren solche Katastrophen nicht selten erlebt haben, aber mit weitaus dramatischeren Folgen.

Im 16. Jahrhundert wurde durch Unwetter und folgende Seuchen der Hexenwahn epidemisch. Man suchte Schuldige. In diesen Fehler sollten wir nicht wieder verfallen. Dass diese Unwetter auch menschengemacht sind – durch Abgase aus Industrie und Verkehr oder durch Eingriffe in Flusslandschaften – ist wahrscheinlich, kann aber später diskutiert werden.

Jetzt ist diese Katastrophe ein Schicksalsschlag für alle Betroffenen. Nicht Schuldzuweisungen, sondern Hilfe ist nötig. Wie schon beim Oder-Hochwasser zeigt sich wieder eine Hilfsbereitschaft, die diejenigen widerlegt, die nur Werteverfall sehen. Bis über die Erschöpfungsgrenze hinaus kämpfen Einwohner und auswärtige Helfer um die Deiche. Und wieder ist die Spendenbereitschaft deutschlandweit enorm.

Menschenleben sind durch nichts zu bezahlen. Weil zum Glück nur wenige zu beklagen sind, kann der allergrößte Teil des Schadens durch Geld behoben werden. Aber wie?

Der Kanzler hat einen Kraftakt für die Flutopfer gefordert. Gut so. Aber wie? Bitte nicht noch einmal wie bei der deutschen Einheit. Da hieß es erst: Das zahlen wir aus dem Laufenden, und dann wurde daraus ein Wechsel auf die Zukunft: Staatsschulden.

Gut, wenn Brüssel helfen kann, reichen wird das nicht und die Tschechische Republik hat diese Hilfe nötiger als wir.

Ein echter Kraftakt wäre das: Das zahlen wir, die Bürger, direkt, zum Teil wenigstens. 25 Euro pro Einwohner macht zwei Milliarden Euro. Zwei oder vier Cent „Notopfer“ auf jeden Brief und jede Postkarte ein halbes Jahr lang – Weihnachten und Ostern inbegriffen – ergibt erheblich mehr. Das macht niemanden arm, aber jedem deutlich, dass der Staatshaushalt für Katastrophen dieser Art nichts in Reserve hat.

Das Versprechen: „Papa Staat wird’s schon richten“ unterfordert uns Bürger. Wir wissen, was ein Schicksalsschlag ist. Und allzu tief müssen wir ja gar nicht in die eigene Tasche greifen, um spürbar zu helfen.

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