Zeitung Heute : Helikopter mit gesundem Halbwissen

Ideentrainer brauchen den Blick fürs große Ganze – und viel kreatives Geschick.

Foto: Promo
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Innovationen entstehen nicht über Nacht. Um von einer Idee bis zur Umsetzung zu gelangen, ist ein strukturiertes Vorgehen nötig. Dabei gilt es, die richtigen Leute an einen Tisch zu bringen und die richtigen Fragen zu stellen. Klingt einfach, ist es aber meistens nicht. Unternehmen suchen sich daher immer häufiger einen internen Ideentrainer. Was der macht, erklärt Jens-Uwe Meyer, Lehrbeauftragter an der Handelshochschule Leipzig für Business Creativity und Gründer der Unternehmensberatung „Die Ideeologen“.

Was genau ist ein Ideentrainer?

Das ist jemand, der das Handwerkszeug besitzt, um in Unternehmen neue Ideen zu erzeugen und Quellen für Ideen zu erschließen. Er leitet Workshops und räumt Hindernisse aus, um Innovationen zu ermöglichen. Seine Tätigkeit hat weniger mit Marktforschung zu tun als mit investigativem Journalismus. Die Marktforschung fragt oft nur Dinge ab, versucht, Konzepte zu verifizieren oder offensichtliche Probleme zu erkunden. Am Ende stehen kleine Veränderungen, aber keine Innovationen. Auch eine Forschungs- und Entwicklungsabteilung kann meist nicht das leisten, was für echte Innovation nötig ist. Ideentrainer haben die Aufgabe, Entwicklungen zu ermöglichen, die sich an Kundenbedürfnissen orientieren. Wenn sich Entwicklung nur in technische Features ergeht, haben wir das Problem des Overengineerings: Aufwändig, aber am Kunden vorbei.

Welche Qualifikation benötigt ein Ideentrainer?

Ein gesundes Halbwissen der verschiedenen Unternehmensbereiche ist ideal. Der Ideentrainer ist wie ein Helikopter, der überall herumschwebt und nirgends zu tief drin steckt. Er kennt die Abläufe, weiß, woran gearbeitet wird. Außerdem kann er über den Tellerrand blicken, hat gute Kontakte und Netzwerkqualitäten. Drittens besitzt er kreative Fähigkeiten und kann als Trainer vormachen, was er von seinen Kollegen erwartet. Viertens hat er profunde Kenntnisse von Workshop-Moderation und -Aufbau. Es ist nicht wichtig, dass er zum Management gehört. Ideentraining ist Spezialistenarbeit. Das Management muss erkennen, dass ein Trainer nötig ist, aber dieser muss die richtigen Fragen stellen: Ideen sind nur so gut wie ihre Fragestellung.

Eine zertifizierte Ausbildung gibt es noch nicht, aber wir arbeiten mit Unternehmen zusammen, um Mitarbeiter als Ideentrainer zu qualifizieren. Vieles ist aber Learning by Doing; man kann nicht in einem zweitägigen Workshop alles lernen, um Ideenentwicklung zum Prozess zu machen. Es dauert ein bis zwei Jahre, bis jemand richtig gut wird.

Warum brauchen Unternehmen einen Ideentrainer?

Ein Ideentrainer ist immer dann sinnvoll, wenn Innovation ein langfristiges Ziel ist. Wo Strategie und Kreativität eng verbunden sind, ist die Entwicklung von Innovationen möglich. Der Ideentrainer bringt zum Beispiel Produktentwicklung und Business Development zusammen, um eine Idee und ein Konzept zu entwickeln. Es geht auch darum, Chancen zu erkunden, Probleme zu analysieren und mit Trends in Verbindung zu bringen. So wie es Edison gemacht hat. Keine seiner Erfindungen war zufällig, denn für ihn war Ideenfindung ein strukturierter Prozess. Und genau das braucht man überall dort, wo schnelle Veränderungen auftreten.

Das Interview führte Tong-Jin Smith

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